Zeitung Heute : In Zukunft investieren

Michael Schmidt

Vom 25. März bis 25. September findet in der japanischen Präfektur Aichi die erste Weltausstellung des 21. Jahrhunderts statt. Was kostet, was bringt eine solche Expo?

Weltausstellungen wollen Maßstäbe setzen. Und das gelingt auch immer wieder. Paris zum Beispiel architektonisch, 1889 mit dem Eiffelturm. Dem japanischen Osaka 1970 mit einem Rekord von 64,2 Millionen Besuchern. Das französische Dugny machte auf ganz andere Weise auf sich aufmerksam: Mit der Absage der für 2004 geplanten Ausstellung – aus Kostengründen. Eine symptomatische Begründung. Die prestigeträchtigen Großveranstaltungen sind aus finanzieller Perspektive nicht selten Verlustgeschäfte.

Mit 18 Millionen Besuchern erreichte die Weltausstellung des Jahres 1992 in Sevilla, „Das Zeitalter der Entdeckungen“, zwar die erwartete Zahl, erwirtschaftete aber ein Defizit von umgerechnet 212 Millionen Euro. 10 Millionen Besucher – 15 Millionen waren kalkuliert – zählt die Expo „Die Ozeane – ein Erbe für die Zukunft“ in Lissabon 1998. Hier gilt die Ausstellung trotz eines Defizits von 358 Millionen Euro als Zukunftsinvestition, weil zum Beispiel auf dem als „Park der Nationen“ erhaltenen Gelände nun das modernste Aquarium der Welt weiterhin Besucher lockt. Die unter das Motto „Mensch-Natur-Technik“ gestellte erste Weltausstellung in Deutschland präsentierte sich 2000 in Hannover mit 173 Nationen als Vielvölkerfest, erfüllte jedoch auch nicht alle Erwartungen. Statt der erhofften 40 Millionen Besucher kamen nur 18,1 Millionen. Die Expo 2000 endete mit einem Defizit von 1,2 Milliarden Euro. Dennoch ist Hannovers Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg fünf Jahre später zufrieden: Das Verkehrsnetz, die Wirtschaft, der Tourismus – alle hätten von den Investitionen in die Infrastruktur in Höhe von fünf bis sieben Milliarden Euro profitiert.

Nun kommt die Welt wieder nach Japan, in die zentraljapanische Präfektur Aichi. Von Donnerstag an will die zweitgrößte Industrienation der Welt erwarteten 15 Millionen Besuchern ihre wieder erlangte wirtschaftliche Stärke demonstrieren. Und unter dem Motto „Die Weisheit der Natur“ sechs Monate lang Möglichkeiten einer Koexistenz von Mensch und Natur vorstellen. Kostenpunkt: 2,4 Milliarden Euro für die Bebauung des Geländes, 142 Millionen Euro reine Betriebskosten und massive Investitionen in unbekannter Milliarden-Höhe in die Infrastruktur für einen neuen internationalen Großflughafen und modernisierte Eisenbahn- und Straßenverbindungen. Auf der Haben-Seite erhoffen sich die Veranstalter am Ende: Mindestens ein bisschen Werbung für einen Standort, dessen Wirtschaftskraft dank namhafter Unternehmen wie Toyota etwa mit der Bayerns vergleichbar ist.

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