INDIE-POPTegan and Sara : Geisterspaziergänge

Jörg W er

Nach singenden Familienclans, Ehepaaren, Brüdertrios, Schwesternschaften und Zwillingsbrüdern sind eineiige weibliche Zwillinge eine echte Formaterweiterung im Popgeschäft. Okay, da waren Kim Deal und ihre Schwester Kelley, aber Letztere stand auch bei der gemeinsamen Band The Breeders im Schatten der ehemaligen Pixies-Bassistin.

Tegan und Sara Quin hingegen sind sowohl optisch wie musikalisch für Außenstehende nicht trennscharf zu unterscheiden. Obwohl die beiden 27-jährigen Kanadierinnen in verschiedenen Städten leben und ihre Songs getrennt schreiben, scheinen sie bei Konzerten und Aufnahmen zu einem zweiköpfigen und vor allem zweistimmigen Doppelwesen zu werden. Die nur um Nuancen nebeneinander liegenden Chorgesänge wären ein prima Übungsfeld für angehende Musikwissenschaftler: Ordnen Sie die einzelnen Gesangsspuren den jeweiligen Protagonistinnen zu. Das Vexierspiel der Identitäten betreiben Tegan und Sara zwar schon seit fünf Platten, aber erst mit ihrem jüngsten Werk „The Con“ ist ihnen zumindest in Amerika eine Art Durchbruch gelungen. Und das völlig zu Recht, denn der sonnige bis schäfchenwolkige, flockige bis zickige Girlpop atmet bei aller melodischen Finesse und Fernsehserien-tauglichen Catchyness einen liebenswerten Do-it-yourself-Charme, der auch den übersättigten Trenddigger anspricht. Pop-Nerds dürften übrigens spätestens auf Tegan and Sara aufmerksam geworden sein, als die falschen Geschwister White Stripes 2005 mit „Walking with a Ghost“ einen Song der echten Zwillinge coverten. Auch das eine bislang nicht dagewesene Formatkonstellation. Tokio Hotel, eat your Heart out! Jörg Wunder

Postbahnhof, Mo 17.3., 20 Uhr, 15 € +VVK BD730

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