INDIEROCKClap Your Hands Say Yeah : Wir brauchen keine Million

Was tun, wenn man als hoch talentierte Band nicht mit den Nebenwirkungen des Erfolgs behelligt werden möchte? Ein sperriger Name ist schon mal eine gute Strategie. Es gibt zwar Ausnahmen (Frankie Goes To Hollywood), aber in der Regel bleiben einem Radiohits und goldene Schallplatten erspart, wenn man sich beispielsweise Clap Your Hands Say Yeah nennt. Ergänzend empfiehlt sich schlechtes Timing. So kann man ein tolles Album genau dann herausbringen, wenn alle Welt noch im Banne eines die Grundfesten des betreffenden Marktsegments erschütternden Werks ist. So geriet das Debüt von CYHSY (Schlimme-Namen-Bands müssen sich Abkürzungen gefallen lassen) im Sommer 2005 in den Ruf, nur ein Nachklapp zum wenige Monate zuvor erschienenen Indierock-Meilenstein „Funeral“ von Arcade Fire zu sein. Zwar eine ungerechte Einschätzung, da die New Yorker handfester rocken als die kanadischen FolkSchrate und sich am manischen Postpunk der Talking Heads orientieren – verkaufsbremsend war der Vergleich dennoch.

Falls das noch nicht ausreicht, könnte man den Nachfolger von einem genialen Studiotüftler (Dave Fridman, Hausproduzent der Flaming Lips) abmischen lassen, dies aber so erratisch, dass das Ergebnis nach mutwilliger Hörerverschreckung klingt. So machten es CYHSY 2007 bei dem programmatisch betitelten „Some loud Thunder“, und der Misserfolg gab ihnen recht. Doch irgendwann werden auch die renitentesten Verweigerer weich: Das dritte Album „Hysterical“ passt, wackelt und hat Wumms. Und den doofen Bandnamen haben sich inzwischen auch alle gemerkt.Jörg Wunder

Postbahnhof, Di 14.2.,

20 Uhr, 24 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!