INDIEROCKHerrenmagazin : Spaß mit schlechter Laune

Helge Schneider trat als „singende Herrentorte“ auf, The Incredible Herrengedeck boten ein ganzes Menü auf und die Hamburger Indierocker Herrenmagazin liefern die Lektüre dazu. Doch während Erstere dem Jammer dieser Welt ihren Witz entgegenhalten, herrscht bei den naturgemäß melancholischen Hanseaten die Lust an der Verzweiflung. Wer angesichts der Plattencover von Herrenmagazin an Pink-Floyd-Designer Storm Thorgerson denkt, irrt: Die Band hat ihre Wurzeln nicht im Artrock, sondern im Punk, Schlagzeuger Rasmus Engler trommelte früher zum Beispiel für Das Bierbeben. Ohne große Pläne wurde Herrenmagazin 2004 gegründet, der Name sollte Assoziationen zu schmuddligen Jazz-Bar-Combos wecken. Jenen eiferten Herrenmagazin zwar nicht musikalisch, wohl aber in Sachen Alkoholkonsum nach. Nachdem ein Plattenvertrag ergattert war, konnte man sich endlich auf „das Wesentliche konzentrieren: Saufen.“

Das 2008 erschienene Debüt „Atzelgift“ oder das aktuelle Album „Das Ergebnis wäre Stille“ verraten jedoch schon im Titel, dass die vier Brillenträger alles andere als unintellektuell sind. Die zwischen Deutschrock, Indie und Hamburger Schule pendelnden Songs treffen einen Nerv. In Interviews zeigt sich die Band erstaunt darüber, dass Konzertbesucher sich zu ihren deprimierenden Texten in den Armen liegen und die Fäuste recken, obwohl doch laut Sänger Deniz Jaspersen „alles nur Unterhaltung“ sei und „Musik nichts verändern kann“. Vielleicht sind deutsche Hörer der Revolution und des Weltuntergangs überdrüssig: Mit Herrenmagazin kann man die eigene Ohnmacht genießen.Erik Wenk

Escobar Sun Deck - Badeschiff Berlin, Do 25.7, 20 Uhr, 14 €

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