INDUSTRIE : Große Verunsicherung

Jeder zweite Euro, den Deutschlands Firmen einnehmen, stammt aus dem Exportgeschäft. Von der einbrechenden Nachfrage in allen wichtigen Wirtschaftsregionen ist die Industrie denn auch besonders betroffen, die ansonsten stolz darauf ist, ihre Hightech-Waren in alle Welt zu liefern. Mit Werksstilllegungen und Kurzarbeit hat etwa die Autoindustrie auf den Einbruch der Nachfrage reagiert. „Tragweite und Dauer der Absatzschwäche sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abzuschätzen“, erklärt der Branchenverband VDA düster die Lage. Die Chemieindustrie ist als Zulieferer eng mit BMW, VW und Co. verknüpft und daher auch nicht optimistischer. „Die Verunsicherung ist groß“, heißt es hier, die Produktion werde wohl zurückgehen. Eine „schwere Rezession“ erwarten die Gießereien, auch die Stahlindustrie sieht die Lage nicht rosig.

Nicht ganz so pessimistisch schätzt die wichtigste deutsche Branche, der Maschinen- und Anlagenbau, ihre Situation ein. Man rechne damit, dass man „das äußerst hohe Produktionsniveau“ des Jahres 2008 werde halten können, erklärte der Branchenverband VDMA. Das gilt auch für die Investitionspläne der zumeist mittelständischen Unternehmen – und für die rund 975 000 Beschäftigten. Voraussetzung sei allerdings, dass es rasch eine allgemeine Beruhigung der Krise gebe. Die Elektrotechnikfirmen erwarten sogar ein Umsatzplus von zwei Prozent. Doch womöglich schlägt der Optimismus in den kommenden Wochen noch um, immerhin ist die Zahl neuer Aufträge zuletzt dramatisch abgesackt. Auch hier unterstreichen die Verbandsleute die „äußerst großen Unsicherheiten“ der Entwicklung in den kommenden Monaten. Generell gilt jedoch: Branchen, die sich stärker auf die Nachfrage aus dem Inland stützen, wie etwa die Ernährungsindustrie, sehen sich mit weniger starken Problemen konfrontiert. brö

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