Zeitung Heute : Infolge von Verfolgung

Christoph Schmidt-Lunau[Wiesbaden]

Sie heißen Stalker und sind unerbittlich. Was muss jetzt geschehen, damit Menschen vor unzumutbarer Belästigung geschützt sind?

Die 29-jährige Dawnette Knight sitzt seit vergangener Woche in Untersuchungshaft. Sie hatte die Hollywoodschauspielerin Zeta Jones mit aufdringlichen Annäherungsversuchen systematisch belästigt. Ihr drohen bei einer Verurteilung bis zu 19 Jahre Haft. Stalking nennen Fachleute das Verhalten: Menschen – häufig sind sie psychisch gestört – verfolgen eine bestimmte Person, auch mit E-Mails und Telefonterror, weil sie ihr nahe sein wollen. In vielen Ländern ist Stalking strafbar; mit einer Bundesratsinitiative will jetzt Hessens Justizminister Christian Wagner (CDU) auch das deutsche Strafrecht um einen Paragrafen 241a ergänzen, der für die unzumutbare Verfolgung und Belästigung Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren vorsieht. Die bisherigen gesetzlichen Möglichkeiten reichten nicht aus, um Stalking-Opfer zu schützen, sagte Wagner gestern in Wiesbaden.

Längst überfällig sei eine solche Strafvorschrift sagt Volkmar von Pechstaedt, der als Rechtsanwalt 700 einschlägige Fälle betreut hat. Noch sind die Betroffenen allein auf die Zivilgerichte angewiesen; ein Betroffener muss deshalb Fahndungs- und Gerichtskosten vorschießen. Das ist eine hohe Hürde. Nur ein Bruchteil der Betroffenen ist prominent. Viel häufiger machen ehemalige Partner nach einer Trennung den Opfern das Leben zur Hölle. Während des Gespräches mit dem Tagesspiegel ruft eine Klientin an. Ein Notfall: Eine Kirchenmusikdirektorin wird von einer ehemaligen Chorsängerin verfolgt, „aus Liebe, weil Gott uns füreinander bestimmt hat“. Die Polizei ist bereits alarmiert. Eine richterliche Verfügung liegt vor, die der unglücklichen Sängerin jede Kontaktaufnahme untersagt.

Werden Grundregeln eingehalten, besteht eine Chance, sich erfolgreich gegen Stalking zu wehren. Wichtig ist die konsequente Zurückweisung, so der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann: die Zielperson solle „nur einmal, aber ruhig und klar deutlich machen“, dass der Kontakt unerwünscht ist; dabei dürfe man weder Wut noch Angst zeigen, sagt Hoffmann. In einer Studie hat er 700 Fälle untersucht.Traumata, Schlafstörungen, Krankheit und Jobverlust als schwerwiegende Folgen systematischen Stalkings waren bei allen Personen festzustellen.

Juristisch kann der Verfolgung bisher nur zivilrechtlich begegnet werden. Das sei problematisch, weil das Opfer sich so mit dem Täter auseinandersetzen muss. Wenn der Staat und damit die Polizei dem Stalker entgegentrete, sei das wirksamer, so der Psychologe. Wehre sich das Opfer, könne sich die Wut der Zurückgewiesenen in Gewaltexzesse steigern. Auch Anwalt von Pechstaedt erlebte das: Vor drei Jahren wurde eine Mandantin von ihrem Ex-Partner erschossen. Hätten Umgebung und Polizei die Anzeichen ernst genommen, hätte sie überleben können.

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