Zeitung Heute : Innere Sicherheit

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Innerhalb einer Kolonie halten alle Mitglieder zusammen. Ihre Solidarität macht die Ameisen so erfolgreich. Doch wer nicht zum eigenen Nest gehört, fliegt raus: Eine Attacke mit dem kräftigen Oberkiefer überstehen die Gegner meist nicht. Bestimmte Arten injizieren dem Feind mit ihrem Wehrstachel auch eine Ladung Gift. Außerdem besitzen Ameisen noch ein ganzes Arsenal chemischer Waffen in Form von Drüsensekreten. Damit können sie den Rivalen betäuben, verkleben, vergiften – unschädlich machen. „Ameisen sind die kriegerischsten aller Kreaturen. Innerhalb ihrer Staaten sind sie zwar altruistischer und kooperativer als die Menschen in ihrer Gesellschaft. Zwischen den Kolonien jedoch herrscht permanent Krieg aller gegen alle", hat Edward O. Wilson, Soziobiologe und Ameisenforscher an der amerikanischen Harvard Universität, in einem „Spiegel“Interview mal gesagt.

Im Kampf gegen den Terrorismus versucht auch Deutschland, Terroristen aufzuspüren und vor die Tür zu setzen. Doch das ist nicht einfach, das musste auch Bundesinnenminister Otto Schily jetzt zugeben, als er den Bericht des deutschen Verfassungsschutzes vorstellte: Viele Informationen über potenzielle Täter, die in Deutschland längst bekannt sind, werden zwischen den Behörden nicht vernünftig ausgetauscht. Das könnte Ameisen nicht passieren: Sie besitzen ein sehr leistungsfähiges Kommunikationssystem. Sämtliche Veränderungen im Nest werden von den Arbeiterinnen wahrgenommen und an die anderen Nestbewohner weitervermittelt. Diese Verständigung beruht vor allem auf chemischen Signalstoffen, den sogenannten Pheromonen. Jede Ameisenart nutzt ihre eigene Duftsprache, sie dient ihr im Nest als Ausweis. Droht den Ameisen Gefahr, alarmieren sie sich gegenseitig mit speziellen Alarmpheromonen.

Doch auch die Ameisen müssen ihre Schutzmechanismen von Zeit zu Zeit nachbessern. Denn im Laufe der Evolution haben andere Tiere gelernt, sich im Ameisenstaat einzunisten – Käfer, Fliegen-Larven aber auch Schnecken, schließlich bedeutet ein Leben bei den Ameisen Futter und Schutz vor Feinden zum Nulltarif. Zur Tarnung statten die Parasiten sich mit dem ameiseneigenen Duftstoff aus. Dazu benutzen sie entweder Duftstoffe direkt aus dem Ameisennest, um sich damit „einzuschmieren". Oder sie produzieren das tarnende Parfum selbst – sie fälschen den kolonieeigenen Ausweis. So mussten auch die Ameisen-Ausweise mit der Zeit immer komplexer werden.

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