Zeitung Heute : Innovatives Zugpferd

Das ZEMI steht finanziell auf eigenen Beinen

Fred Winter

Etwas abgelegen vom Stadtzentrum, aber als Forschungszentrum bekannt, entwickelt sich der Wissenschafts- und Technologiepark in Adlershof zu einer der wichtigsten Denkfabriken in der Region. Mehr als 10 000 Menschen finden dort bereits Lohn und Brot, Tendenz steigend. Immer neue Firmen siedeln sich an, neue Labors und Produktionsstätten entstehen. Motor dieser Aufbruchstimmung sind die großen Forschungsinstitute, die sich in Adlershof angesiedelt haben. Seit 2001 sind einige von ihnen im Zentrum für Mikrosystemtechnik (ZEMI) vereint. Zwei Jahre lang wurde das Zentrum von der Wissenschaftsverwaltung und der Europäischen Union gefördert. „Nach Auslaufen der Anschubfinanzierung haben die ZEMI-Partner den Fortbestand der Kooperation in einem Vertrag festgeschrieben“, erläutert Günther Tränkle, Chef des Ferdinand-Braun-Instituts für Höchstfrequenztechnik (FBH), Adlershof. Er steht dem Zentrum als Direktor vor, das nun unabhängig vom öffentlichen Geldbeutel bestehen muss.

Die im ZEMI geballte Kompetenz auf dem Gebiet kleinster Baugruppen und Strukturen fußt auf den sechs beteiligten Partnerinstituten: Neben dem FBH sind das die Bundesanstalt für Materialforschung, die Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft Bessy, das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen, das Institut für Mikrotechnik der TU Berlin und das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration. „ZEMI ist eines der großen nationalen Kompetenznetze der Forschung sowie Technologie- und Produktentwicklung in der Mikrosystemtechnik“, sagt Günther Tränkle selbstbewusst. „Wir unterstützen vor allem kleine und mittlere Unternehmen durch Technologietransfer und die schnelle Umsetzung ihrer Ideen in marktfähige Produkte.“ Dabei decken die Institute die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Produktentwicklung bis zur Vermarktung. Darüber hinaus sind zahlreiche Forscher als Dozenten an den Hochschulen der Region tätig.

Am ZEMI entsteht die Technik kommender Jahrzehnte. Ein Vorhaben zielt beispielsweise auf so genannte E-Grains. Das sind Würfel mit einer Kantenlänge von zwei Millimetern, in denen kleine Rechner, Energieversorger und Kommunikationstechnik stecken. Ab 2010 sollen sie eine neue Welle der Miniaturisierung in der Elektronik tragen, indem diese intelligenten Körner (Grains) miteinander kommunizieren. Ein Schwerpunkt der Forschung am ZEMI ist es, dafür kleinste Batteriefolien zu entwickeln, aus Lithium-Polymersystemen. Zudem wird in diesem Miniwürfel eine extreme Dichte und Miniaturisierung der einzelnen Baugruppen erreicht. Verlässt ein Prototyp die Labore, muss er anschließend für die Fertigung in Großserie optimiert werden.

Um auch mit Fräsern, Drehmeißeln und Bohrern in diese Dimensionen vorzudringen, hat das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik in Adlershof unlängst ein Zentrum für Mikroproduktionstechnik errichtet, das nun zum ZEMI gehört. „Um Materialien im Bereich weniger Tausendstel Millimeter zu bearbeiten und zu formen, braucht man sehr stabile Maschinen und Fundamente, um störende Schwingungen abzufangen“, erklärt Ulrich Doll, der das neue Labor leitet. „Ob ABS und Airbag, der Abtastkopf eines CD-Spielers, Chipkarten oder Mobiltelefone – viele dieser Bauteile messen nur wenige Mikrometer, sie integrieren elektronische, optische und mechanische Funktionen.“ Ein Mikrometer ist ein Tausendstel Millimeter. Acht Wissenschaftler und 15 studentische Hilfskräfte nutzen zum Beispiel Drähte und Funken, um feinste Schlitze oder Löcher in verschiedene Materialien zu bohren. „Solche Strukturen sind mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen“, meint Ulrich Doll. Das Projekt kostet 4,5 Millionen Euro und wird vom Bundesforschungsministerium finanziert.

Im Internet:

www.zemi-berlin.de

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