Zeitung Heute : Ins Bild gesetzt

Selbst billige Player spielen DVDs ordentlich ab. Doch laute Betriebsgeräusche und eine komplizierte Bedienung stören den echten Genuss

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Von Nils Gründel

DVD-Player gibt es in den unterschiedlichsten Preisklassen. Seit einiger Zeit wird verstärkt für Geräte geworben, die um die magische Preismarke von 100 Euro angesiedelt sind. Angesichts der andauernden Kaufzurückhaltung der Deutschen ist das sicherlich eine interessante Entwicklung. Doch lohnt sich der Kauf eines Billiggerätes tatsächlich oder muss der Griff ins Portemonnaie doch ein wenig tiefer ausfallen?

Zuerst einmal muss festgehalten werden, dass die Bereitschaft der Konsumenten, in neue Unterhaltungselektronik zu investieren, höher ist als vielfach angenommen. Der Gesamtumsatz im Bereich Video hat in Deutschland neue Rekordwerte erreicht und damit der Wirtschaftsflaute deutlich getrotzt. Dies gilt vor allem für den Geräteabsatz von DVD-Playern, der in Jahresfrist um 80 Prozent gestiegen ist. Die Zahl der vermieteten DVD-Videos hat sich in der gleichen Zeit sogar verdreifacht.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Die technische Qualität der Silberscheiben überzeugt inzwischen auch die letzten Zweifler. Das Bild ist flimmerfrei und hat eine extrem große Schärfe. Bestimmte Szenen können direkt angewählt werden und das Standbild wird endlich seinem n gerecht. Der Ton ist überzeugend, vor allem, wenn die Wiedergabe über die Stereoanlage per Dolby Digital oder dts und nicht über den Fernseher erfolgt. Apropos Fernseher: Der sollte über einen RGB- oder S-Video-Anschluss verfügen, damit die hohe Qualität der digitalen Scheiben überhaupt auf den Bildschirm kommt.

Bei DVD-Geräten der gehobenen Preisklasse sind die Unterschiede meist nur gering und liegen in der Anzahl der Anschlussmöglichkeiten oder bei feinen Unterschieden der Bildqualität und in der Verarbeitungs- und Materialgüte. „Wer sich für ein teures Gerät entscheidet, sollte immer einen ausgiebigen Vergleichstest bei einem Fachhändler vornehmen und sich dabei auch die nötige Zeit nehmen, die Unterschiede mit einer Referenz-DVD zu vergleichen“, rät Carsten Rampacher vom DVD-Online-Magazin area-dvd.de. Doch sogar bei preiswerten Modellen lässt die Bildwiedergabe nur selten zu wünschen übrig. Sehr viel ärgerlicher sind häufig hohe Abspielgeräusche des Laufwerks, denn bei den preiswerten Geräten wird an der Mechanik gespart. Vor allem bei bei leisen Film- oder Musikpassagen sollten die Laufgeräusche nicht stören.

Noch störender sind indes bauartbedingte Bildruckler. Solche unangenehmen Aussetzer können unter anderem durch die unvermeidbare Neujustierung des Laserkopfs entstehen (siehe auch den Infokasten über die Besonderheiten von DVD-Formaten). „Nach dem Auslesen der ersten Layerschicht muss der Laser neu fokussiert werden, um mit dem Abspielen fortzufahren.

Je nach Abspielgerät kann das Bild dabei stehen bleiben und der Ton aussetzen, es sei denn, der DVD-Player verfügt über einen genügend großen Zwischenspeicher, um die Neuausrichtung des Lasers zu kaschieren“, so Carsten Rampacher.

Die meisten DVD-Player kommen auch gut mit Audio-CDs zurecht, allerdings sind für Musikenthusiasten CD-Spieler die erste Wahl. Was die Bedienung angeht, sind DVD-Geräte vornehmlich auf Videomaterial ausgelegt und so werden viele Anzeigen nur über das Fernsehgerät ausgegeben. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte sich einen Player zulegen, der neben DVD-Video auch noch Musikformate wie SACDs wiedergeben kann. Dann nämlich ist es egal, welches Audio-Format sich in Zukunft durchsetzen wird, weil der neu erworbene DVD-Spieler es unterstützen wird.

Fast alle Abspielgeräte verfügen inzwischen über die Möglichkeit, MP3-Musik wiederzugeben. Die Funktionalität ist gerade hier besonders groß, allerdings besitzt fast kein Modell alle denkbaren Features. Nur wenige Geräte können Multisession-MP3-CDs abspielen, vielfach wird lediglich die erste Session eingelesen und der Rest ignoriert. Einige Abspielgeräte lassen auch kein „Spulen“ innerhalb eines Stückes zu, bei anderen – gerade Auslaufmodellen – erfolgt die Wiedergabe analog, und nur wenige Geräte können die kompletten Titelnamen darstellen.

Zwar bleiben DVDs gegenüber den in die Jahre gekommenen Videobändern ohne Qualitätseinbußen, doch dies gilt auch nur dann, wenn die modernen Bildplatten gut gepflegt werden oder der Player über eine ausreichend gute Fehlerkorrektur verfügt. Profis wie Carsten Rampacher raten daher dazu, eine leicht verkratzte DVD und eine ebenfalls beschädigte CD beim Gerätekauf einzustecken und das Wunschgerät diesbezüglich auf „Herz und Nieren“ zu prüfen.

In einem sind die herkömmlichen Videorekorder unschlagbar: Mit ihnen lassen sich auch Fernsehsendungen aufnehmen und zwar zu einem extrem günstigen Preis. Die ersten verfügbaren DVD-Rekorder kosten um die 1000 Euro und anders als bei den Kauf-DVDs bevorzugen die Hersteller unterschiedliche Standards (siehe Kasten). Zudem lassen sich bei bester Qualität lediglich 60 Minuten auf die teueren Rohlinge bannen. Bei sinkender Bildqualität sind bis zu vier Stunden möglich, allerdings liegt die Aufnahmequalität dann nicht über S-VHS-Niveau. Darüber hinaus macht auch der Tausch von selbst gebrannten DVDs Probleme, denn die Player erweisen sich beim Abspielen der verschiedenen Formate zumeist als bockig.

Joachim Pfeiffer, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift „Video“, rät allerdings von Billigst-Playern für 100 Euro beim Kaffeeröster oder im Discounter ab, wenn neben einer hohen Bild- und Tonqualität das Setup problemlos funktionieren und die Bedienung Spaß machen soll. „Aber gerade jetzt lohnt der Preisvergleich, denn viele etablierte Hersteller beugen sich derzeit dem Konkurrenzdruck der Anbieter aus dem Low-Price-Segment und bringen immer bessere Geräte mit überzeugendem Preis-Leistungs-Verhältnis auf den Markt.“

Die Zeitschrift hat in Ihrer aktuellen Ausgabe zehn DVD-Player der Preisklasse bis 300 Euro getestet. Testsieger im detaillierten Technik-Test der DVD-Einsteigermodelle ist der JVC XV-N5 SL für 300 Euro. Er überzeugt vor allem mit seiner Bildqualität. Als Kauftipp bewerten die Magazin-Macher den Panasonic DVD-RV 62 für 230 Euro. Das Einsteigermodell wartet mit dem derzeit ansprechendsten und komfortabelsten Bildschirmbedienungskonzept auf.

Mehr zum Thema:

www.dvd-vergleich.de

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