INSTALLATIONJanet Cardiff und George Bures Miller zeigen „Murder of Crows“ : Boxenstopp

Christiane MeixnerD D
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Wie große Vögel hocken die schwarzen Boxen auf Stühlen und Stangen, und auch der Titel der Ausstellung verspricht ein tierisches Spektakel. „Murder of Crows“ heißt die Installation von Janet Cardiff und George Bures Miller, mit der ein Teil des Hamburger Bahnhofs wiedereröffnet. Eine Arbeit, wie sie karger kaum denkbar ist: Außer den 98 schwarzen Lautsprechern gibt es eigentlich nichts zu sehen.

Stattdessen wird der Blick auf die Historische Halle des Bahnhofs gelenkt. Seine Höhe, die leichte Wölbung, Glas und die gusseisernen Träger machen ihn zu einem akustischen Phänomen. Und genau wie auf der Biennale von Sydney, wo das kanadische Künstlerpaar seine Boxen 2008 schon einmal in eine hölzerne Lagerhalle gestellt und mit Tönen von skulpturaler Qualität erfüllt hat, ist das Werk erst im Zusammenspiel von Raum und Klang perfekt.

Statt einer Totenklage, die Krähen mitunter tatsächlich in Schwärmen neben einem verstorbenen Artgenossen halten, hört man allerdings Janet Cardiff, die ganz konkret von ihren eigenen düsteren Träumen erzählt. Eine spezielle Raumklangtechnik sorgt dafür, dass die Stimme der Künstlerin fast körperlich greifbar ist. Genau wie die Töne diverser Instrumente, von denen die Geschichten untermalt werden. Wer immer sich in dieser Installation bewegt, wird von ihrem Sound umhüllt, eingefangen und eingelullt. So ergeht es einem am Ende wie jenem von schwarzen Spukgestalten umschwirrten Mann auf der berühmten Radierung von Goya, die für Cardiff und Miller einen Referenzpunkt ihrer vieldeutigen Arbeit darstellt: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“. Christiane Meixner



Hamburger Bahnhof, Sa 14.3. bis So 17.5., Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-20 Uhr, So 11-18 Uhr, 8 €, erm. 4 €

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