INSTRUMENTALKante beim Volksbühnen-Abschlusskonzert : Mondmelancholie

Jörg W er
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Bei aller nostalgisch verbrämten Sympathie für das authentische Flair der leicht abgeranzten Bestuhlung und der mit Erinnerungen vollgesogenen Verlebtheit des Foyers ist die anstehende Grundsanierung der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz natürlich zu begrüßen. Vor dem temporären Umzug in das Ausweichquartier im Prater laden die Macher der Musikbühne zu einem Abschiedsabend, bei dem die übliche Konzerteuphorie sicher mit einer gehörigen Portion Melancholie vermischt sein wird. Dafür dürfte schon der Hauptact des langen Abends (mit Ghost Bees, Apparat und Modeselektor) sorgen: Kante haben, wie sonst wohl nur Tocotronic, mit unvergesslichen Konzerten ihre Spuren in der Geschichte der Volksbühne hinterlassen.

Zum Abschied haben Kante ein rein instrumentales Programm mit dem verheißungsvollen Titel „Moon, Stars and Planes“ ausgearbeitet, was durchaus zum Werdegang der Band passt. Die Hanseaten mit ausgeprägter Berlin-Affinität sind seit jeher für einen eher bedächtigen, bisweilen sparsamen Umgang mit Worten bekannt und haben nur einmal, dann aber mit Langzeitwirkung, die verbale Einprägsamkeit anderer Hamburg-Bands erreicht: „Die Summe der einzelnen Teile“ ist auch nach acht Jahren immer noch ein sicherer Hit für die Indie-Tanzfläche. Ansonsten waren Kante stets mehr an Strukturen und Texturen ihrer mäandernden Songs interessiert, dabei gerne die Grenzen zu Jazz oder Electronica überschreitend. Was zuletzt in einer musikalisch überragenden Platte wie „Die Tiere sind unruhig“ kulminierte. Die passende Band für einen würdigen Ausstand. Mach’s gut, altes Haus, wir sehen uns im Herbst wieder. Jörg Wunder

Volksbühne, So 8.3., 20 Uhr, 24 €, erm. 18 €

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