Zeitung Heute : International lernen – das geht auch in Berlin Breites Angebot an fremdsprachigem Fachunterricht

Philipp Eins

Die Kunststunde auf Französisch, Biologie auf Deutsch: Am Schweizer Moser- Gymnasium in Berlin-Charlottenburg läuft der Fachunterricht auf zwei Sprachen. Denn wer die 12. Klasse der Internationalen Schule mit dem Abitur verlässt, soll Französisch und Englisch auf höchstem Niveau sprechen – so heißt es im Konzept der Schule. Auch regelmäßige Schülerbegegnungen und Austausche mit den Partnerschulen in Genf und Lyon gehören dazu. Das klingt nach Kaderschmiede, einem Hort für Diplomatenkinder. Doch Pustekuchen: „Unsere Schüler kommen überwiegend aus der Mittelschicht“, sagt Schulleiterin Doris Hilber. Eine Einrichtung für Überbegabte wolle man nicht sein – eher ein Angebot für alle Kinder und Jugendlichen, die sich besonders für Fremdsprachen interessieren.

Die Nachfrage bei den Privatschulen boomt: 7,3 Prozent aller Schüler besuchten vergangenes Schuljahr eine Privatschule – das sind über 50 Prozent mehr als im Jahr 1992, wie das Statistische Bundesamt vorrechnet. Insgesamt lernen also 892 000 Kinder und Jugendliche an freien Schulen. Ein Drittel von ihnen strebt das Abitur an.

Nach Ansicht von Volker Symalla vom Verband Deutscher Privatschulen Berlin-Brandenburg (VDP) wird dieser Trend anhalten: „An freien Schulen gibt es kleinere Klassen, die Lehrer arbeiten stärker im Team und nutzen von allen pädagogischen Konzepten die besten“, erklärt er das Interesse der Eltern. Vor allem in Internationalen Schulen mit mehrsprachigem Fachunterricht sieht Symalla die Bildungs-Zukunft.

Der Knackpunkt: Nicht jeder Bundesbürger aus der Mittelschicht wird sich die teuren Schulgebühren leisten können: Rund 3600 Euro kostet der Unterricht an der Schweizer Moser-Schule pro Halbjahr. Hinzu kommen monatlich 115 Euro für Frühstück, Mittagessen und Snacks sowie bis zu 80 Euro für die Hausaufgabenbetreuung. Dafür werden die Schüler laut Programm individuell gefördert, die Klassen bestehen maximal aus 15 bis 20 Kindern. Ganztägiger Unterricht ist obligatorisch, in Englisch gibt es Teilstunden für Anfänger und Fortgeschrittene.

Die Berlin International School in Berlin-Dahlem bezieht ihr globales Konzept nicht nur auf Fremdsprachen. „Bei uns wechseln die Schüler ständig, keine Klasse ist am Ende des Schuljahres zusammengesetzt wie zu Beginn“, sagt Schuldirektor Andreas Wegner. Der Grund: „Die Eltern arbeiten weltweit, sind ständig unterwegs – und ihre Kinder reisen mit.“ Im Ausland besuchen sie eine Partnerschule, die ähnlich funktioniert. In den Klassen mischen sich viele Kulturen: Rund 65 Nationalitäten besuchen die Berlin International School. Laut Andreas Wegner bringt der ständige Schulwechsel Vorteile: „Die Kinder lernen, sich auf Veränderungen einzustellen – und Freundschaften auch über Distanzen zu führen.“ Dass enge soziale Bindungen seltener sein können, bestreitet der Schulleiter dagegen nicht.

Wer vorwiegend auf Leistung aus ist, wird an der Internationalen Schule im bürgerlichen Dahlem trotzdem seine Freude haben: Nach zwölf Jahren können die Schüler mit dem International Baccalaureate (IB) abschließen, einem weltweit gültigen Zentralabitur. Das IB genießt bei vielen Eliteuniversitäten wie Cambridge und Oxford einen guten Ruf: Die Absolventen besäßen demnach eine gute Allgemeinbildung sowie Spezialwissen in ihren Schwerpunktfächern. „Bei uns sind 150 Stunden Sozialdienst, ein Essay über 20 Seiten sowie Kurse in Erkenntnisphilosophie eine weitere Extraleistung, um das IB zu bestehen“, sagt Wegner.

Nur wenige Internationale Schulen bieten den Abschluss an: Neben der Berlin International School zum Beispiel die Berlin British School in Charlottenburg, deren Diplome auf dem britischen Bildungssystem basieren. Außerhalb der Stadtgrenze wäre die Berlin Brandenburg International School in Kleinmachnow eine Alternative. Doch das IB-Verfahren ist kostspielig, so auch die Schulgebühren: Knapp 9600 Euro jährlich müssen die Eltern an Wegners Privatschule in Dahlem berappen.

Wer dagegen vorrangig auf Japanischkenntnisse Wert legt, kann seine Kinder auch bei der Japanischen Internationalen Schule in Zehlendorf anmelden. „Auf unserer Schule gibt es jedoch fast ausschließlich japanische Kinder“, sagt Schulleiter Takeo Matsuno. „Deren Eltern arbeiten in der japanischen Botschaft oder in den Medien.“ Wenn die Jungs und Mädchen nicht schon zur Einschulung Japanisch sprechen, werden sie wohl einsam bleiben. Philipp Eins

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