Zeitung Heute : International naschen

Britta Wauer

Wie eine Ostberlinerin die Stadt erleben kann

Vor ein paar Jahren verliebte ich mich in einen gut aussehenden jungen Mann namens Paul. Er war gerade von einer Reise aus Chile zurückgekehrt und schwärmte von den dortigen Schokoladensorten, besonders von „Coocy“, einer Schokokeks-Sorte aus dem Hause Nestlé. Leider gab es die in Deutschland nicht zu kaufen, doch kurz darauf war ich bei einer Veranstaltung, bei der auch der Pressechef von Nestlé Deutschland war, den ich auf die chilenischen „Coocy“ ansprach. Der nette Herr notierte sich meine Adresse und wollte sich melden, sobald er wüsste, ob und wann die „Coocys“ auch hier zu haben seien. Meine Schwärmerei für Paul hatte sich schon erledigt, da kam ein halbes Jahr später von Nestlé ein Paket. Der Pressechef hatte herausgefunden, dass es in Chile ein Keksunternehmen gibt, das Nestlé gehört, das aber bestimmt nicht nach Deutschland liefere. Stattdessen hatte er das Paket mit Süßwaren aus der deutschen Produktion vollgepackt. „Schmeckmuster“ nannte er das. Das Paket kam pünktlich zum Nikolaus.

Süßwaren sind vielleicht die weltweit einzig wahre Antiglobalisierungsbastion. T-Shirts, Pullover, Hosen bekommt man in jeder Hauptstadt in den immer selben Geschäften, Cheeseburger und Cafe Latte in den immer selben Ketten, aber die immer selben Schokoriegel, die gibt es nicht. Wann immer ich verreise, fragen Freunde, ob ich ihnen diese oder jene süße Spezialität mitbringen könnte, die sie da mal gegessen und danach nie wieder gefunden haben.

Doch nun macht sich einer daran, diese Lücke zu schließen. Christopher Engelhardt hat einen Laden für ausländische Süßigkeiten aufgemacht. Wie beim Optiker die Brillen sind bei ihm die Schokoriegel an der Wand aufgereiht: Die „Reese’s Peanut Butter Cups“ aus den USA oder die „Principessa“ aus Polen. Um die 1,50 Euro kostet so ein kleiner Gruß aus der weiten Welt. Ungefähr 60 Riegel verkauft Christopher Engelhardt am Tag. Mitgebracht werden sie von Lebensmittelimporteuren, die bei ihren Lieferungen Platz für eine kleine Ladung Süßes haben. Ein Chilene ist leider bisher nicht darunter. „Schokoriegel Berlin Mitte“, Kastanienallee 55, Ecke Fehrbelliner Straße in Mitte

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben