Zeitung Heute : Internationale Parlamentspraktika: Vom Baikalsee nach Berlin

Ulrike Schenkelberg

"Die Russische Föderation und die Europäische Union", "Die Viségrad-Staaten und die Perspektiven ihrer Zusammenarbeit", "Die Herausforderungen der Einwanderungspolitik in den USA und der BRD" - die Stipendiaten des Programms "Internationale Parlaments-Praktika" des Deutschen Bundestages und der Humboldt-Universität begnügen sich nicht damit, die deutsche Politik kennen zu lernen. Sie organisieren auch eigene Diskussionsveranstaltungen, Länderabende und Gesprächsrunden, zu denen sie Kommilitonen, Abgeordnete und Experten einladen, um ihre Herkunftsländer vorzustellen. So tragen sie auf doppelte Weise zur internationalen Verständigung bei.

Das Programm "Internationale Parlamentspraktika", das Absolventen aus dreizehn Ländern einen Aufenthalt in Deutschland ermöglicht, richtet sich gezielt an besonders qualifizierte junge Menschen, die in ihren Heimatländern Aussicht auf Führungspositionen haben. Damit stellt das Programm eine wichtige politische Investition dar in die partnerschaftliche Zukunft von Deutschen, Franzosen und Amerikanern und leistet einen Beitrag zur Stärkung junger Demokratien und zur Verbreitung freiheitlich-demokratischer Verfassungsordnungen in Mittel- und Osteuropa.

Von diesem Gedanken zeugt auch die vom Bundestag beschlossene Erweiterung des Kreises der teilnehmenden Länder: Am 1. September 2001 werden zusätzlich Stipendiaten aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien und Slowenien nach Berlin kommen.

Das Kernstück des Programms ist ein mehrmonatiges Praktikum, das die Teilnehmer im Büro eines Mitglieds des Deutschen Bundestages absolvieren. Sie erhalten so die Möglichkeit, vor Ort demokratische Prozesse direkt mitzuerleben. Die Praktikanten helfen "ihren" Abgeordneten, Gutachten zu erstellen und Redebeiträge zu verfassen und schreiben Facharbeiten.

Mehrtägige Seminare bei den politischen Stiftungen, wissenschaftliche Begleitveranstaltungen an der Humboldt-Universität, ein internationaler Workshop zum Thema "Nationale Minderheiten und Volksgruppen", ein Empfang des Präsidenten des Bundestages und des Präsidenten der Humboldt-Universität sind weitere Programmpunkte.

Der Bundestag ist das einzige Parlament der Welt, das in jedem Jahr 80, in Zukunft über 90 ausländische Stipendiaten aus unterschiedlichen Kulturen in einem solchen Programm einlädt. Einzig die französische Assemblée Nationale bietet im wechselseitigen Deutsch-Französischen Parlamentspraktikum, das auf deutscher Seite durch das Auswärtige Amt und den DAAD gefördert wird, fünf jungen Deutschen die Möglichkeit, die französische Politik hautnah mitzuerleben.

Oft bleiben die Verbindungen zwischen Abgeordneten und Praktikanten auch nach Ende des Aufenthaltes bestehen. Nach Aussage des Abgeordneten Wolfgang Börnsen (Wahlkreis Bönstrup), Berichterstatter für Internationale Programme des Deutschen Bundestages, nutzen seine Kollegen oftmals vor Reisen in die Länder ihrer ehemaligen Praktikanten die Verbindung für Hintergrundinformationen und Kontakte. Hinzu kommt, dass die mittlerweile über 600 ehemaligen Stipendiaten in so genannten Clubs Ehemaliger ein fast weltweites Netz von Verbindungen aufrecht erhalten.

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