Zeitung Heute : Interne Personalquerelen: Der CDU fehlt es an Erfolg

Carsten Germis

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel mag von der ganzen Debatte um die Führungsspitze der Union erkennbar nichts mehr hören. Als sie sich nach der Vorstandssitzung ihrer Partei am Montag in Berlin den Fragen der Medien stellte, verzog sie bei Fragen danach stets leicht das Gesicht. Es gebe "jetzt keine Grundlage für eine weitere Fortsetzung der Debatte", antwortete sie.

Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU), dessen Wahlchancen in Baden-Württemberg am 25. März wegen der internen Personalquerelen in der CDU sichtbar sinken, assistierte der Vorsitzenden. "Die Union muss geschlossen handeln und sich den Sachfragen stellen, die die Bürger beschäftigen", sagte er.

Das ist leichter gesagt als getan. Teufel hatte seine Parteifreunde schon vor der Vorstandssitzung in Berlin zu mehr Disziplin aufgefordert. "Ich bin verstanden worden, und ich bin mit der Reaktion zufrieden", meinte er am Montag. Merkel, neben ihm stehend, nickte zustimmend. Aber nicht jeder scheint Teufels "Zwischenruf" richtig verstanden zu haben.

Noch während die beiden in der Berliner CDU-Bundeszentrale das Ende der Personaldebatte verkündeten, meldete sich der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach mit einem neuen Personalvorschlag zu Wort. Wolfgang Schäuble, der Ex-CDU-Chef, nach dessen Führungsstärke sich dieser Tage mancher wegen der Spannungen in der Doppelspitze zwischen Merkel und CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz in der CDU öffentlich zurücksehnt, wäre doch "ein hervorragender Mann" für das Amt des Bundespräsidenten, schlug Bosbach in der "Welt" vor. Präsidentenwahlen stehen aber erst wieder in gut drei Jahren an. Und CDU-Chefin Merkel sieht ihren Vorgänger in der Union auch so gut eingebunden. "Er steht mitten in der Arbeit der Partei, und da gehört er auch hin", sagte sie. Immerhin sei er als eines von lediglich sieben gewählten Präsidiumsmitgliedern an herausragender Position tätig. Sie habe auch den Eindruck, Wolfgang Schäuble sei damit zufrieden.

Warum dann aber die Hinweise aus der Union, Schäuble möge in der von Merz geführten Fraktion oder in der Partei wieder eine stärkere Rolle spielen? "Ich halte alle Spekulationen für wirklich abwegig", meinte Merkel. "Das entbehrt jeden realen Hintergrunds."

Der Landesgruppenchef der CSU im Bundestag, Michael Glos, teilte im Deutschlandradio derweil mit, wo er die Ursache für die erneute Führungsdiskussion in der Union sieht. Sie liege nicht in der Doppelspitze von Merkel und Merz, sondern im Mangel an politischem Erfolg. "Die Union war in der letzten Zeit nicht sehr erfolgreich, um das vorsichtig auszudrücken", sagte er: "Dann gibt es automatisch ein Nachdenken."

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar