Zeitung Heute : Internet-World: Trends im Netz: Streaming Media braucht schnelles Internet

Klaus Angermann

Surfer sind eigentlich genügsame Naturen, denn für sie zählt zum Glücklichsein nur eines: möglichst hoher Speed auf dem Internet-Highway. Das Internet im neuen Jahrtausend lockt mit multimedial immer aufwändigeren Angeboten, die allerdings höhere Anforderungen an die Übertragungskapazitäten stellen. Viele der neuen Techniken, die beispielsweise auf der Streaming Media Berlin parallel zur Internet World vorgestellt werden, machen deshalb erst mit einem schnellen DSL-Zugang Sinn.

DSL heißt soviel wie "Digital Subscriber Line" und steht für eine Technik, die auf Basis der altgedienten Kupferkabel einen Hochgeschwindigkeitszugang ins Internet ermöglicht. Zum Vergleich: Ein Analog-Modem bietet maximal 56 Kilobit pro Sekunde und auch ISDN ist nur schneller, wenn beide 64-Kbit-Kanäle gebündelt werden. Anders DSL: In der Theorie sind bis zu acht Megabit pro Sekunde möglich, zur Vermeidung von Störungen wird der Zugang auf 768 Kilobit beim Download und auf 128 Kilobit beim Upload beschränkt.

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Internet World 2001 Die Krux an DSL ist die geringe Übertragungsentfernung, da die Technik nur maximal fünf Kilometer überbrücken kann. Daher liegt die Verfügbarkeit der DSL-Anschlüsse noch weit unter den Vorbestellungen, denn die Telekom muss erst ein möglichst engmaschiges Netz für die Gegenstellen der DSL-Modems aufbauen. So werden momentan viele potenzielle Neukunden auf das dritte Quartal 2001 oder später vertröstet.

Der Turbo-Zugang ist für Privatkunden besonders als Flatrate finanziell attraktiv. Um T-DSL zu nutzen, verlangt die Telekom je nach Anschluss eine monatliche Pauschale zwischen 15 und 40 Mark. Fehlt nur noch ein Provider. T-Online etwa lockt mit der T-DSL Flatrate für 49 Mark. Zudem gibt es Angebote der Konkurrenz. Die Kölner QS Communications AG stellt bundesweit über Vertragspartner regionale DSL-Zugänge bereit. Mobilcom verlangt für einen rund-um-die-Uhr-Tarif auf DSL-Basis 59 Mark und setzt dabei den Mobilcom-City-Ortsanschluss voraus. Ähnliches gilt für Arcor. Unbedingt vor Vertragsabschluss sollte auf eine eventuelle Volumenbegrenzung geachtet werden: 1&1 etwa bietet eine preiswerte DSL-Flatrate für 29 Mark an, allerdings schlägt ab einem Gigabyte Datentransfer pro Monat jedes weitere heruntergeladene Megabyte mit 9 Pfennig zu Buche.

DSL bedeutet auch, dass sich damit neue Geschäftmodelle etablieren können, die bislang mit der Übertragungsrate analoger 56K-Modems nicht verwirklicht werden konnten. Internet-Telefonie erreicht bei höherer Bandbreite als ISDN eine bessere Sprachqualität. Angesichts kalkulierbarer Kosten für DSL-Flatrates sind Videokonferenzen auch bei kleineren Unternehmen kein finanzielles Hindernis mehr. Einen Anschub könnten damit gleichfalls Heimarbeitsplätze haben, die per permanenter DSL-Leitung schnell und trotzdem kostengünstig Daten mit dem Büro austauschen und abgleichen.

Je mehr private Nutzer einen Breitband-Zugang verwenden, desto qualitativ hochwertiger könnten multimediale Angebote sein: Große, schnell herunterladbare Datenmengen erlauben per so genanntem Streaming Live-Konzerte in akzeptabler Qualität. Video-Clips lassen sich von Servern wie www.eyedoo.de oder www.onyx.tv abrufen. Die Münchner Firma INETV beispielsweise realisiert per Streaming verschiedene Internet TV-Lösungen und wurde schon bei Groß-Events wie der Expo 2000 eingesetzt, zudem sind Nachrichtensendungen wie www.n-tv.de oder www.n24.de bereits rund um die Uhr online.

Video on demand dagegen benötigt noch weitere Entwicklungszeit, denn für die kommerzielle Realisierung von Spielfilmen in DVD- und Dolby-Digital-Qualität via Internet würde die benötigte Bandbreite mindestens drei Mbit/s betragen. Allerdings rückt die Überagung in normaler VHS-Qualität durch neue Komprimierungstechniken in Reichweite. Einen Schub könnte DSL anderen On-Demand-Diensten geben, die dann neben Firmenkunden den Privatanwender bedienen. Per Software on demand zum Beispiel könnte man sich benötigte Software schnell und umkompliziert jederzeit direkt aus dem Netz zu ziehen. Insbesondere Application Service Providing (ASP) kann somit weiter ausgebaut werden. Dabei vermietet ein Application Service Provider dem Kunden Software über ein Netz, in diesem Fall über das Internet. Der Kunde hat so jederzeit Zugriff auf die neueste Software, ohne sie installieren oder ständig neue Hardware kaufen zu müssen. Per DSL wird ASP auch für andere Anwendungen als nur Office-Programme interessant, denkbar ist neben Datenbankverwaltung auch der Grafikbereich.

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