Zeitung Heute : Internetfirmen bieten für gesammelte Webmeilen Formel-Eins-Karten oder sogar die eigene Insel

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Der Wettbewerb um Internet-Käufer wird immer schärfer. Viele Unternehmen bieten ihren Kunden im weltweiten Netz nicht nur Informationen, sondern vergeben sogar kleine Belohnungen an Besucher ihrer Homepage. Ähnlich wie Vielflieger Flugmeilen sammeln, können Internet-Vielnutzer sich inzwischen Bonuspunkte verdienen. Nach eigenen Angaben startete die Münchner Webmiles AG als erste Firma in Deutschland im Juli 1999 das Prämiensystem. Inzwischen kooperiert sie mit 22 Unternehmen, die nun die Webmiles-Punkte vergeben. Darunter sind große Reiseveranstalter, Versandhändler und Kunden-Clubs. Weitere 26 Internet-Anbieter sollen in einigen Wochen dazu kommen.

Auf den Homepages der beteiligten Firmen können Netz-Nutzer die Bonuspunkte sammeln und später bei der Webmiles AG eintauschen. Eine Web-Meile ist genau 0,03 Euro (sechs Pfennig) wert. Für 250 Punkte gibt es wahlweise einen Kugelschreiber oder eine Eintrittskarte für die Andreas-Türck-Show. Für eine Million Punkte können die User eine eigene Insel vor der Küste Kanadas eintauschen. "Die ersten 250 Punkte hat man schnell zusammen", sagt Loretta Würtenberger, Mitgründerin von Webmiles. Schon für die Anmeldung gibt es die ersten Begrüßungspunkte. Wer dann noch Fragebögen ausfüllt und ein, zwei Einkäufe tätigt, hat seine erste Prämie sicher. Für jeden vergebenen Bonuspunkt zahlen die Internet-Anbieter Gebühren an die Webmiles AG. Die Münchner versenden dafür die Preise und verwalten die Bonus-Konten der Nutzer. Mehr als 175 000 User haben sich inzwischen bei Webmiles für die Jagd nach Netz-Meilen angemeldet. Zurzeit kommen täglich 1500 bis 2500 Neulinge hinzu, berichtet das Unternehmen. Bisher kamen insgesamt 25 Millionen Webmiles zusammen, knapp ein Drittel davon sollen schon eingelöst worden sein. Inzwischen sind die Webmiles bereits zur anerkannten Währung der Internet-Gemeinde aufgestiegen. Sie können gegen etwa 100 wechselnde Preise getauscht werden. Darunter Formel-Eins-Karten, Nokia-Handys oder sogar ein Tagesausflug an die Börse nach Frankfurt.

Die Idee zu den Webmiles hatte die Juristin Würtenberger im Januar 1999. "Viele Internet-Anbieter verdienen viel Geld mit Werbung", sagt die Webmiles-Chefin. "Dafür, dass sie die Seiten aufrufen, sollten die User zumindest ein bisschen am Gewinn beteiligt werden." Das in Deutschland neue Konzept setzte Würtenberger in rasantem Tempo um. Mehrere Venture Capital Gesellschaften boten finanzielle Hilfe an. Die ersten kooperierenden Firmen waren schnell gefunden.

Seit November 1999 eröffnete Webmiles Büros in London, Paris, Stockholm und Amsterdam. Anfang Mai sollen Madrid und Mailand folgen. "In Deutschland sind wir bereits Marktführer", sagt Loretta Würtenberger. Und noch in diesem Jahr solle Webmiles auch die Nummer eins in Europa werden.

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