Zeitung Heute : Internettransport: Jeder Klick schafft ein Paket

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Was für die Besteller mit ein paar schnellen Mausklicks erledigt ist, bedeutet für die Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) zusätzliche Arbeit in gewaltigen Dimensionen. Denn wenn schon in naher Zukunft immer mehr Menschen immer mehr Waren über das Internet bestellen, dann müssen erheblich mehr Pakete auf den Weg gebracht werden, in denen die Besteller diese Waren erhalten. So kommt das Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart in einer von DaimlerChrysler in Auftrag gegebenen Studie, die die Wirkungen des zunehmenden Transportbedarfs durch wachsenden E-Commerce untersuchen sollte, zu dem Ergebnis, dass zu den 1999 in Deutschland beförderten knapp 1,4 Milliarden Paketen durch Kurier-, Express- und Paketdienste bis zum Jahr 2006 noch weitere 1,7 Milliarden Pakete pro Jahr hinzukommen werden - das ist mehr als eine Verdoppelung.

Damit alle diese Pakete wohlbehalten und vor allen Dingen pünktlich zu den Kunden kommen, werden ganze Flotten neuer Transporter eingesetzt werden müssen. Dabei werden nach den derzeit vorliegenden Untersuchungen vor allem zwei Typen von Fahrzeugen dominieren. Zum einen Kleinfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von maximal zwei Tonnen. Und zum anderen neuartige "Home Delivery-Fahrzeuge" mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen. Diese Grenze ist festgelegt durch die aktuellen Führerscheinregelungen. Für einen optimalen Einsatz müssen diese Fahrzeuge besonders hohe Anforderungen hinsichtlich Volumen und Nutzlast erfüllen und so konstruiert sein, dass die Stoppdauer beim Beliefern der Kunden möglichst gering ist, um im harten Umfeld des KEP-Wettbewerbs wirtschaftlich arbeiten zu können.

Wie ein solches Fahrzeug aussehen könnte, zeigt die von DaimlerChrysler im Rahmen der Nutzfahrzeug-IAA in Frankfurt am Main präsentierte fahrfertige Studie eines "Leichtbau-Transporters" für den Verteilerverkehr auf der Basis des Transporters Sprinter mit einem Radstand von knapp 4,03 Meter. Mit einer integrierten Trittstufe am Heck ist dieser Transporter 6,86 Meter lang und übertrifft den serienmäßigen Kastenwagen mit gleichem Radstand um immerhin knapp 27 Zentimeter. Auch bei der Höhe und Breite sind die Abmessungen größer als beim Serienfahrzeug, sodass sich das Ladevolumnen der Studie von 13,4 auf 15 Kubikmeter erhöht. Parallel dazu steigt die Nutzlast von 1300 auf 1500 Kilo - das sind immerhin gut 15 Prozent mehr.

Realisiert werden konnte dieser Zuwachs nur durch ein spezielles Leichtbau-Konzept für den Aufbau. Für den wurde zum Beispiel überall dort im Rohbau Aluminium verwendet, wo sich unter Wahrung des Kostenrahmens eine nennenswerte Gewichtsersparnis verwirklichen ließ. Bei den Blattfedern der Vorder- und Hinterachse wurden unter dem Aspekt der Gewichtseinsparung besonders leichte Glasfaser-Kunststoffe eingesetzt.

Nicht minder wichtig wie solche konstruktiven Maßnahmen war es allerdings, dem Fahrer solcher Fahrzeuge das Ein- und Aussteigen sowie das Be- und Entladen besonders einfach zu machen. Deshalb ist der Fahrerplatz mit einem Drehsitz ausgestattet. In Verbindung mit einem wegklappbaren Handbremshebel, dem Verzicht auf einen Beifahrersitz und elektrisch betriebene Schiebetüren auf der Beifahrerseite und im Heck lassen sich wertvolle Sekunden beim Betreten und Verlassen des Fahrzeugs sparen. Und da normalerweise zum Gehweg hin ausgeliefert wird, verzichtet die Studie sogar auf die Fahrertür. Das spart ebenfalls Gewicht und schafft zudem Sicherheit, denn der Fahrer muss beim Aussteigen nicht mehr auf den fließenden Verkehr Rücksicht nehmen. Mit Blick auf die nicht mehr nötige Fahrertür überrascht allerdings, dass man statt der wegklappbaren Handbremse nicht einfach einen Handbremshebel zwischen Sitz und linker Fahrzeugwand gewählt hat. Zu den weiteren Ausstattungen der Studie gehört für das sichere Rangieren eine Rückfahrkamera mit Bildschirm im Blickfeld des Fahrers, der bei seiner Fahrt zu den verschiedenen Kunden durch ein Navigationssystem beim Auffinden und Ansteuern der Zielorte unterstützt wird.

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