INTERVIEW : „Es war hart an der Grenze zum Nervenzusammenbruch“

Inwieweit haben Sie sich bei der Umsetzung von Krabat über das „Erbe“ Otfried Preußlers Gedanken gemacht?

Es gibt so etwas wie ein Vermächtnis, aber das muss man ein Stück weit ausblenden. Die Belastung, Preußlers berühmtestes Buch zu verfilmen, ist schon groß genug, auch wenn man sich um solche Dinge keine Sorgen macht. Das Buch wurde 2,1 Millionen Mal verkauft und existiert als Film in genau der gleichen Anzahl in den Köpfen der Leser. Ich habe versucht, mich möglichst nah an die Vorlage zu halten.

Die Dreharbeiten in den Karpaten sollen unglaublich anstrengendend gewesen sein.

Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich das Projekt nicht gemacht. Wir sind nach Rumänien gegangen, weil wir im restlichen Europa keine Landstriche gefunden haben, die nicht maschinell bestellt werden, und das passt natürlich nicht zur Zeit des 30-jährigen Kriegs. In Rumänien gibt es solche naturbelassenen Abschnitte noch. Das allerdings zum Preis fehlender Infrastruktur. Wir mussten sogar eine Straße zum Motiv bauen. Was es aber besonders anstrengend gemacht hat, war wahrscheinlich mein Anspruch, dass es größer, besser, weiter sein muss. Ich habe mir enormen Druck damit gemacht, dass ich mit „Krabat“ beweisen wollte, dass wir einen Film herstellen können, der auch formal internationalem Standard genügt. Damit habe ich ziemlich viele in der Crew und in der Besetzung an die Grenzen des Machbaren getrieben.

Dass ein Regisseur sagt: „Ich hätte es nicht gemacht“, hört man selten.

Ja, es war hart an der Grenze zum Nervenzusammenbruch. Ich war oft wirklich verzweifelt. Bei der Ansicht des Rohmaterials dachte ich oft, dass das mein Untergang wird. Weil ich nicht wusste, wie solche Bilder ohne die Effekte der Nachbearbeitung dann aussehen können. So habe ich jetzt sehr viel mehr Respekt vor großen Blockbustern, auf die ich früher gerne mal herabgeschaut habe mit einem: „Na ja, die haben einfach viel Geld.“ Wenn man wirklich will, dass ein Film gut aussieht, hat das mit Handwerk zu tun. AlSo

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