Zeitung Heute : Interview: "Ich will umsonst die Welt kennen lernen"

Herr Stoppelenburg[warum machen Sie das eigentlic]

Der 24 Jahre alte Niederländer reist seit Anfang Mai ausschließlich auf fremde Kosten durch die Welt. Er trampt oder lässt sich Flüge sponsern, die Übernachtungen organisiert er online. Auf seiner Homepage www.letmestayforaday.com können sich interessierte Gastgeber melden, die Ramon für eine Nacht gratis Kost und Logis bieten möchten. Im Gegenzug bekommen Sie sicherlich das eine oder andere spannende Erlebnis zu hören. Ausgestattet mit Laptop und Digitalkamera dokumentiert der Reisende alle Erlebnisse auf seiner Homepage.

Herr Stoppelenburg, warum machen Sie das eigentlich: mit dem Laptop um die Welt reisen, auf Kosten fremder Leute?

Weil ich gratis die ganze Welt kennen lernen möchte. Ich möchte am eigenen Leib erfahren, wie viele Eindrücke und Erlebnisse ein einzelner Mensch wirklich aufnehmen kann. Außerdem hoffe ich, dass ich nach meiner Aktion so berühmt bin, um in den USA in die David-Letterman-Show eingeladen zu werden.

Wie sieht Ihr Gepäck aus?

Ein Rucksack mit Digitalkamera, Notebook, Kleidung, Zahnbürste.

Man muss körperlich und seelisch fit sein, um so ein Projekt durchzuführen. Wie kommen Sie bisher zurecht?

Freunde und Bekannte haben mir bestätigt, dass ich genügend Mumm für so eine Aktion habe. Man sollte schon in einer stabilen Verfassung sein, um stets aufs Neue so viel Vertrauen zu fremden Leuten aufzubauen. Aber ich finde das überhaupt nicht schwierig. Das ist für mich vollkommen normal. Menschen sind doch dazu da, einander kennenzulernen, oder?

Haben Sie inzwischen auch schon unangenehme Erfahrungen bei ihrer Tour machen müssen? Immerhin kennen Sie ihre Gastgeber ja gar nicht.

Nein, ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Die Gastgeber sind alle sehr spontan, und es macht mir sehr viel Spaß.

Sind die Leute, mit denen Sie über Ihre Homepage in Kontakt treten, zuverlässig? Stehen die Menschen immer zu ihren online ausgesprochenen Einladungen?

Ja, ausnahmslos. Ich besuche aber auch nur die Leute, die Ihre Einladung per E-Mail bestätigen.

Wird es denn nicht langweilig, bei jedem Gastgeber immer die selben Fragen nach ihren Abenteuern und Erfahrungen zu beantworten?

Doch, das kann schon manchmal nerven. Aber den Preis muss ich halt bezahlen. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt.

Wie funktioniert das Trampen im Jahr 2001? Kommen Sie immer gut von der Straße weg?

Es funktioniert ganz gut. Ich muss selten länger als eine Viertelstunde auf der Straße stehen, bis ich mitgenommen werden. Wenn die Leute dann im Auto erst meine Geschichte hören, dann sind sie doch richtig aufgeregt, eine Art Prominenten in ihrem Auto durch die Gegend zu kutschieren.

Werden Sie später Ihre Erlebnisse von dieser Weltreise auch offline veröffentlichen, als Buch?

Auf jeden Fall. Ich werde ein Buch schreiben, das in mehrere Sprachen übersetzt werden soll. Viele Leute, die ich besucht habe, möchten nämlich mehr über meine gesammelten Erlebnisse erfahren. In einem Buch kann ich wesentlich detaillierter berichten und die vielen Eindrücke von der Weltreise vertiefen. Das, was ich zur Zeit online auf meiner Homepage berichte, ist eher ein bisschen oberflächlich. Zur Zeit suche ich übrigens noch einen Verleger.

Denken Sie schon an die Zeit "danach"? Haben Sie nicht doch ein bisschen Angst davor, nach Ihrem Projekt wieder ein ganz normales Leben zu führen, jeden Tag morgens ins Büro zu gehen?

Darüber denke ich noch gar nicht nach. Ich bin sowieso noch vier Jahre unterwegs.

Würden Sie eigentlich selbst jemanden zu sich nach Hause einladen, der online darum bittet?

Klar. Wenn jemand auf so eine Art die Welt bereist, würde ich ihn definitiv gerne bei mir zu Hause haben.

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