Interview : "In Schönefeld entsteht ein Kraftzentrum"

Axel Arendt, Repräsentant der Airport Region, setzt auf die Magnetwirkung des Flughafens.

Axel Arendt wurde im April zum Repräsentanten für die wirtschaftliche Entwicklung der Airport Region ernannt. Foto: Promo ZAB
Axel Arendt wurde im April zum Repräsentanten für die wirtschaftliche Entwicklung der Airport Region ernannt. Foto: Promo ZAB

Die Zahl der Firmenansiedlungen im Umfeld des Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg International liegt hinter den Erwartungen. Jetzt soll der ehemalige Rolls-Royce- und EADS-Manager Axel Arendt auf Investoren-Suche gehen.

Herr Arendt, Investorenakquise ist ein internationales Geschäft. Wie viele Meilen haben Sie in diesem Monat eigentlich schon gesammelt und wo wird es Sie bis zum Sommer noch hinführen?

Die tägliche Akquise von Investoren ist nicht mein Auftrag, das machen die Wirtschaftsförderungen der beiden Länder schon sehr gut. Die Region hat sich im bundesdeutschen Vergleich in den vergangenen Jahren gut entwickelt – gerade was Neuansiedlungen angeht. Ich bin, wenn man so will, Botschafter der Länder Berlin und Brandenburg für das BBI-Umfeld und verstehe mich in dieser Funktion als Türöffner. Die guten Erfahrungen, die ich als Leiter des Werkes von BMW-Rolls-Royce in Dahlewitz vor einigen Jahren gemacht habe, will ich weitergeben an meine Kollegen in den Chefetagen internationaler Unternehmen, vor allem der Luft- und Raumfahrt. Ich glaube an den Erfolg dieser Region, die mir ans Herz gewachsen ist. Hier ist seit meinem Weggang 2006 enorm viel passiert. Das fällt mir, der ich meinen privaten Lebensmittelpunkt eher in München habe, jedes Mal wieder auf, wenn ich herkomme..

Sie sollen als „Gesicht der Flughafenregion“ Ansprechpartner und Werber für potenzielle Investoren sein. Muss man eine solche Aufgabe personalisieren?

Ja, es spricht viel dafür. Entscheidungen über Investitionen fallen in großen Unternehmen nicht nur nach Analyse der nackten Standortfaktoren. Wichtig ist für die Top-Manager dort ebenso, dass die politische Führung glaubhaft vermittelt, dass man die Ansiedlung will und unterstützt. Und – last but not least – ist die Empfehlung von Kollegen, die den Standort kennen, ebenfalls wichtig. Letzteres kann ich mit gutem Gewissen tun. Als Leiter des Rolls-Royce-Werks in Dahlewitz von 2002 bis 2006 habe ich die Region schätzen gelernt. Rolls-Royce ist sehr zufrieden mit dem Standort direkt an der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg. Ich stehe daher voll und ganz zu meiner neuen Aufgabe und werde der Branche vermitteln, dass es sich lohnt, hier zu investieren.

Es gibt Ansprechpartner für Investoren auf Berliner und Brandenburger Seite. Beide Länder haben durchaus eigene Interessen. Wie wird die Arbeit verzahnt?

Ich bin von den Aufsichtsratsvorsitzenden beider Wirtschaftsfördergesellschaften ernannt worden und arbeite mit dem gemeinsamen Airport Region Team und den Geschäftsführern von ZukunftsAgentur und Berlin Partner zusammen. Aber in deren Tagesgeschäft bin ich nicht eingebunden. Sehen Sie mich als einen Botschafter der Region, der diese Aufgabe aus Überzeugung und ohne finanzielle Interessen übernommen hat.

Der wichtigste Gewerbepark auf Berliner Seite ist der 109 Hektar große BBI-Business-Park. Hier hat der britische Projektentwickler 2007 gleich 38 Hektar gekauft, jetzt aber eine Kaufoption für weitere 24 Hektar verstreichen lassen. Ist das ein schlechtes Zeichen?

ZukunftsAgentur und Berlin Partner sind Wirtschaftsförderungen, keine Immobilienbesitzer oder -entwickler. Daher bin ich für diese Frage nicht der richtige Ansprechpartner. Ich kann nur darauf verweisen, dass sich die Region seit meinem Wegzug 2006 sehr positiv und keineswegs unter den Erwartungen entwickelt hat. Es ist doch ein beachtliches Ergebnis, wenn das Flughafenumfeld 2010 Ansiedlungen und Erweiterungsinvestitionen von so namhaften Unternehmen wie Air Berlin, Germania, Lufthansa-Technik, MTU, Rolls-Royce, DB Schenker, Siemens Logistik, Vestas, Enertrag, Pfizer/Wyeth und Mercedes Benz angezogen hat. Das spricht doch für sich. Es mag sein, dass man rund um die Flughafenbaustelle noch nicht so viele neue Gewerbebauten sieht. Aber wir haben im definierten 30-Kilometer-Radius rund um BBI 34 Gewerbegebiete und viele attraktive Bürolagen bis hin zum Berliner Hauptbahnhof. Die Gemeinden um Schönefeld zählen zu den am schnellsten wachsenden Kommunen Deutschlands. Und wenn Mercedes Benz seinen Vertrieb in Berlin bei der O2-Arena an der Spree baut, oder mit seiner Bank an den Alex geht, dann liegt das Dank der ausgezeichneten Verkehrsinfrastruktur immer noch in der der Flughafenregion. Dass wir hier noch viel Platz zum Wachsen haben, ist eine Riesenchance und ein Grund zur Freude statt zum Jammern.

Herr Arendt, eine letzte Frage: Was ist Ihre Prognose für den Stand im Sommer nächsten Jahres, wenn der Flughafen öffnet?

Dann wird sich die Region noch einmal weiter zum Positiven entwickelt haben. Und es wird weiter gehen. Wobei wir hier nicht über einen Sprint, sondern über einen Marathon reden. In zehn Jahren wird die Region hier – diese Prognose wage ich – kaum wieder zu erkennen sein. Dann wird in dieser Region ein neues wirtschaftliches Kraftzentrum entstanden sein.

Das Interview führt Frank Wendler.

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