INTERVIEW MIT DEM CHEF DER GDBA : „Wir schließen Streiks nicht aus“

Wie bewerten Sie die Ankündigung von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, wegen der Tarifeinigung mit den Lokführern Stellen abzubauen, Herr Hommel?

Davon wären sicher nicht nur Lokführer betroffen. Stellenabbau bei der inzwischen hochprofitablen Bahn wäre eine völlig überzogene Reaktion. Die Beschäftigten haben Anspruch auf höhere Bezahlung. Wir haben bereits im Jahr 2005 vereinbart, dass wir über eine neue Entgeltstruktur reden wollen. Das tun wir seit zwei Jahren. Die neue Entgeltstruktur kann es nicht zum Nulltarif geben, das haben die Bahn und Herr Mehdorn auch akzeptiert. Daher ist seine Ankündigung nicht nachvollziehbar.

Der Abschluss der Lokführer sei überzogen, argumentiert er.

Es geht nicht um den Abschluss, den die kleine Gruppe der Lokführer erreicht hat – oder erreichen will, muss man ja sagen. Denn der bewegt sich im Rahmen dessen, was wir als Tarifgemeinschaft für alle Bahn-Beschäftigten ausgehandelt haben. Die Lokführer werden nicht mehr erhalten. Wir können die Äußerungen von Herrn Mehdorn absolut nicht akzeptieren.

Was halten Sie davon, dass er den Beschäftigungspakt als beendet erklärt hat?

Der Beschäftigungspakt läuft bis zum Jahr 2010 und steht jetzt überhaupt nicht zur Debatte. Dafür haben die Beschäftigten erhebliche Vorleistungen gebracht. Wir haben nämlich die Senkung der Personalkosten um fünf Prozent mitgetragen und die Arbeitsproduktivität um mehr als 200 Prozent gesteigert. Wenn das Unternehmen sich saniert hat, müssen die Beschäftigten daran teilhaben – und das hat es. Der Beschäftigtenpakt gilt und kann von Herrn Mehdorn nicht einfach infrage gestellt werden. Seine Äußerung kann ich mir nicht erklären.

Ist denn die Voraussetzung noch erfüllt, dass maßvolle Tarifabschlüsse vereinbart werden?

Natürlich. Den Tarifabschluss über die neue Entgeltstruktur, den wir jetzt verhandeln, halten wir vor dem Hintergrund der sehr guten Unternehmensentwicklung für maßvoll. Die Grundzüge haben wir bereits im November vereinbart und dabei auch die jeweiligen Lohnerhöhungen einvernehmlich festgelegt. In diesem Rahmen bewegen sich jetzt die Tarifverhandlungen, sowohl mit den Lokführern als auch für alle übrigen Bahn-Beschäftigten. Es gibt überhaupt keinen neuen Sachstand, der die Bahn und ihren Vorstandsvorsitzenden zu drastischen Erklärungen treiben könnte.

Welche Schlüsse ziehen Sie denn aus seinen Erklärungen?

Herr Mehdorn will offenbar Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen ausüben. Aber dieser Druck wird uns nicht dazu bewegen, von unseren Forderungen abzurücken. Es ist Druck an der falschen Stelle. Unsere Tarifverhandlungen sind zugegebenermaßen nicht so schnell vorangekommen, wie wir uns das vorgestellt haben, weil es ein ständiges Hin und Her mit den Kollegen von der GDL gegeben hat. Wir werden das nun zügig vorantreiben. Die neue Entgeltstruktur soll noch in diesem Jahr wirksam werden, und deswegen wollen wir im ersten Halbjahr einen Abschluss erzielen.

Was tun Sie, wenn es doch zu Stellenabbau kommt?

Wir werden konsequent alle Mittel nutzen. Das schließt Streiks nicht aus, so sehr mir das für die Kunden der Bahn leidtut.

Das Gespräch mit Klaus-Dieter Hommel führte Moritz Döbler.

Klaus-Dieter Hommel ist Chef der Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamter und Anwärter (GDBA). Sie hat 65 000 Mitglieder und kooperiert in einer Tarifgemeinschaft mit der Gewerkschaft Transnet.

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