Zeitung Heute : Interview: "Mit der Kredithöhe steigt die Prüfungstiefe"

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Einer Ihrer Kunden ist - wie vergangene Woche berichtet - nicht ganz glücklich mit der strengen Prüfung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse. Schießen Sie bei der Wahrnehmung Ihrer Pflichten übers Ziel hinaus?

Nein, höchstens eine Handvoll Kunden hat sich bisher über Prüfungen beschwert. Allerdings ist unser Kreditgeschäft einerseits reglementiert durch interne Vorschriften und andererseits durch externe Vorgaben des Bundesaufsichtsamtes. In dem genannten Fall gilt Paragraf 18 Kreditwesengesetz. Dieser regelt sehr detailliert, wann wir Unterlagen anzufordern haben, welche Informationen wir brauchen und wie wir sie zu prüfen haben. Zudem müssen wir den Vorgang genau dokumentieren.

Werden unterschiedliche Maßstäbe bei verschiedenen Kunden angesetzt?

Ja, der einfachste Fall sind Gehaltsempfänger. Hier gibt es meistens nur eine Einkommensart, das Gehalt, also reicht uns eine Einkommensbescheinigung bei der Überprüfung der Solvenz. Schwieriger ist die Lage bei Freiberuflern und Selbstständigen, weil sie oft über mehrere Einkommensarten verfügen, einige aus selbstständigen, andere aus unselbständigen Tätigkeiten und vielleicht Einnahmen aus einem Gewerbebetrieb. Schließlich verdienen sie vielleicht auch aus Immobilieneigentum. In solchen Fällen sind Umfang und Tiefe der Prüfung größer.

Steht es nicht im Widerspruch zum Datenschutz, wenn der Kunde die Hosen runterlassen und sich bis in den Privatbereich durchleuchten lassen muss?

Nein, denn das Bankgeheimnis schützt ihn. Auch wenn es derzeit aufgrund der terroristischen Anschläge in New York in der Diskussion ist, bleibt der Datenschutz weitgehend gewährleistet. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, wenn zum Beispiel die Staatsanwaltschaft kriminelle Hintergründe vermutet. Richtig ist aber auch, dass ein Kunde bei der ersten Prüfung seiner Kreditanfrage seine wirtschaftliche Lage offenlegen muss. Dabei gibt es sehr detaillierte Anforderungen des Bundesaufsichtsamtes, und daran müssen wir uns halten.

In dem berichteten Fall erfolgte Ihre Prüfung drei Jahre nach Kreditgewährung...

Das ist richtig, wir müssen nämlich eine laufende Kreditüberwachung vornehmen. Auch hier haben wir Vorgaben zu erfüllen, auch was die Fristen für die Einreichung von Unterlagen betrifft. Prüfungen während der Kreditlaufzeit geben ein Bild über die aktuelle wirtschaftliche Situation des Schuldners. Damit kann die Bank rechtzeitig von drohenden Insolvenzen erfahren und behält einen Handlungsspielraum. Dies ist nicht der Fall, wenn das Kreditinstitut erst aus der Zeitung erfährt, dass jemand bereits insolvent ist. Im Übrigen verpflichten Darlehensverträge beide Partner dazu, ihre Leistungen zu erbringen. Von Seiten des Kunden gehört die Einreichung der für die Bonitätsprüfung nötigen Unterlagen dazu.

Wie schnell muss ein Kunde, wenn er in Zahlungsschwierigkeiten gerät, mit Liebesentzug durch die Bank und einer Zwangsvollstreckung seiner Immobilie rechnen?

Mir ist in meiner zwanzigjährigen Berufslaufbahn kein Fall bekannt, in dem eine Bank wissentlich oder vorsätzlich den Kunden schlechter stellt, weil sie erfuhr, dass er finanzielle Schwierigkeiten hat. Meistens gilt das Gegenteil. Indem wir rechtzeitig Kenntnis über mögliche Probleme bekommen, können wir zeitig Maßnahmen ergreifen, um eine Verschlechterung der Situation zu verhindern. Dies ist kein Samaritertum, sondern wohlverstandene Interessenwahrung durch die Bank, und sie deckt sich hier mit der ihres Kunden.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, wenn ein Schuldner seine Raten nicht mehr zahlt?

Zunächst suchen wir den persönlichen Kontakt, um die Hintergründe der Krise zu erfahren. In einigen Fällen stunden wir Raten oder strecken sie. Dadurch können wir einen vorübergehenden Engpass wie Arbeitslosigkeit auffangen. In anderen Fällen beteiligen wir uns an Sanierungsmaßnahmen. Wenn das verschuldete Haus leer steht, kann die Bank ihren Kunden durch die Einschaltung von Partnern wie Makler unterstützen. Ist der Zahlungsverzug des Kunden bei einer Baumaßnahme eingetreten, weil bei einer Sanierung die Kosten aus dem Ruder liefen, dann prüfen unsere Gutachter zunächst, worin die Ursache für die Fehlkalkulation lag. Anschließend werden wir in aller Regel versuchen, zusammen mit dem Kunden die Baumaßnahme zum Abschluss zu bringen. Denn eine Bauruine nutzt keinem der beiden Partner. Also liegt es im Interesse beider Parteien, sich zu einigen.

Machen Banken einen Unterschied zwischen gewerblichen Kunden mit großem Bauvolumen und kleinen Häuslebauern? Man hört von Sonderrechten für Baulöwen...

Das Gegenteil ist der Fall. Der Häuslebauer ist weitgehend befreit von laufenden Prüfungen. Liegt der Kredit unter 500 000 Mark, gilt für den Schuldner der Paragraf 18 des KWGs nicht. Eine Ausnahme besteht bei so genannten Vertragsstörungen, wenn der Kunde seine Raten nicht termingerecht bezahlt. Dagegen gilt für gewerbliche Kunden die Prüfungspflicht, weil die Risiken höher sind. Und mit der Höhe des Kredit-Engagements steigt auch die Prüfungstiefe.

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