Interview mit Lothar Schruff : „Reinigendes Gewitter“

Das Image von Unicef ist beschädigt. Welche Auswirkungen hat der Skandal auf den deutschen Spendenmarkt, Herr Schruff?

Viele Organisationen sind in größter Sorge, dass die Branche einbricht. Einige wehren sich bereits, weil sie mit in den Sog hineingezogen werden. Die Aufmerksamkeit wird jedoch auch eine heilende Wirkung haben. Ein reinigendes Gewitter, das hoffentlich zu mehr Transparenz auf dem Spendenmarkt führt.

Kann es für den Bürger Sicherheit darüber geben, wohin die Spenden fließen?

Eine absolute Sicherheit wird es nie geben. Bei ausreichend Transparenz wird der Markt die Fehler von Einzelpersonen aber aushalten.

Wie kann die Qualität einer Spendenorganisation gemessen werden?

Wichtig ist ein öffentlicher Finanzbericht, der Angaben über die gesamten Einnahmen und Ausgaben macht. Beim Spendenvolumen muss die Mittelherkunft und -verwendung detailliert aufgeschlüsselt werden. Viele Organisationen sind bereits vorbildlich. Würden diese Angaben im Internet zur Verfügung gestellt, könnten Vorwürfe sofort aus der Welt geschaffen werden.

Welche Rolle muss die Politik übernehmen, um mehr Sicherheit zu geben?

Verschärfte Regulierungen werden nicht viel bringen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass Organisationen Wege suchen um Regeln zu umgehen. Ein verschärfter Wettbewerb, wie durch den Transparenzpreis, hat in nur drei Jahren bereits zu erstaunlichen Verbesserungen geführt. Organisationen haben sich selbst verbessert oder sich an anderen orientiert. Die zehn Transparentesten sind allesamt vorbildlich. Der Wettbewerb wirkt.

Ist ein generelles Spendensiegel sinnvoll?

Da bin ich sehr skeptisch. Um den Anspruch dieser Institutionen zu erfüllen, bräuchten wir einen gewaltigen Aufwand. Wer soll das bezahlen? Das Problem kriegen wir so nicht in den Griff. Spender sind wie ein scheues Reh, bei Gefahr rennen sie davon. Da müssen die Organisationen von sich aus reagieren und Maßnahmen ergreifen.

Lothar Schruff ist Experte für Spendenorganisationen an der Uni Göttingen.

Mit ihm sprach Alexander Glodzinski.

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