Zeitung Heute : Investieren mit gutem Gewissen

Grüne Banken zählen zu den Gewinnern der Finanzkrise. Sie bieten Kunden zusätzlich zur Geldanlage eine besondere Philosophie.

Saubere Energie, riskante Investition. Die Nachfrage nach Anlagen in erneuerbare Energiequellen steigt, grüne Banken profitieren vom wachsenden ökologischen Bewusstsein der Verbraucher. Doch wer sein Kapital in Großprojekte wie Offshore-Windparks anlegt, wird zum Unternehmer – mit allen Risiken. Scheitert das Projekt, kann das Geld weg sein. Foto: Ingo Wagner/dpa
Saubere Energie, riskante Investition. Die Nachfrage nach Anlagen in erneuerbare Energiequellen steigt, grüne Banken profitieren...Foto: dpa

Sie zählen zu den Gewinnern der Finanzkrise: die nachhaltigen Banken. Mittlerweile gibt es verschiedene grüne Geldhäuser auf dem deutschen Markt, darunter die GLS Bank, die Umweltbank, die Ethikbank und die holländische Triodos. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe Kirchenbanken verschiedener Konfessionen.

Alle diese Geldhäuser haben gemeinsam, dass sie sich eine nachhaltige Philosophie gegeben haben. So verspricht die Bochumer GLS Bank, wirtschaftlicher Gewinn sei nicht ihr alleiniger Antrieb, sondern eher eine Folge der Investitionen, die sie tätigt. Und die Umweltbank hat fest in ihrer Satzung verankert, dass alle Projekte, die sie unterstützt, dem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen dienen. Der Löwenanteil ihrer Investitionen floss im vergangenen Jahr in Solarprojekte. Die Ethikbank hingegen sieht sich eher als eine politische Bank und engagiert sich für gesellschaftliche Veränderung. Und die Triodos hat sich in ihren Zielen einem Dreiklang aus Ökologie, Sozialem und Kultur verschrieben.

Und obwohl die GLS Bank häufig Projekte unterstützt, für die konventionelle Banken eher kein Geld gegeben hätten – wie Schulen, Behinderteneinrichtungen und landwirtschaftliche Betriebe –, hatte sie im vergangenen Jahr keinen einzigen Kreditausfall. Ähnliches gilt für die anderen grünen Banken: Auch bei ihnen sind die Ausfallraten gering. Bemerkenswert ist außerdem, dass die überwiegende Mehrheit der Investitionen sowohl der GLS Bank als auch der Umweltbank in Deutschland verbleiben: Das Geld wird quasi direkt vor der Tür investiert.

Die Wachstumsraten der nachhaltigen Geldhäuser sind beeindruckend. Die GLS Bank steigerte allein 2011 ihre Kundenzahl um 30 Prozent und stellte im gleichen Zeitraum 100 neue Mitarbeiter ein. Noch ist das ein Nischengeschäft. Es gibt in Deutschland fast 100 Millionen Girokonten, davon ist bisher aber lediglich eine niedrig fünfstellige Anzahl grün. Doch Christoph Lützel, Sprecher der GLS Bank, sieht das nicht als eine reine Modeerscheinung: „Wir sind mittendrin in einer Entwicklung, das Potenzial ist riesig“, sagt er.

Die Banken profitieren von der Bio- und Nachhaltigkeitswelle. Die Menschen wollen sich nicht nur biologisch ernähren, sondern sie wollen auch wissen, was mit ihrem Geld geschieht. „Die Verwendung des Geldes der Kunden ist unser größter Unterschied zu den normalen Banken“, sagt Oliver Brandt, Sprecher der Umweltbank. Um sicherzustellen, dass das Geld an förderungswürdige Projekte fließt, unterzieht die Umweltbank jedes Projekt einem ökologischen Rating.

Ähnlich einem Aufsichtsrat hat die Umweltbank zudem einen Umweltrat, der etwa vier Mal im Jahr zusammenkommt. Exemplarisch untersuchen die Experten einige der Ratings. Doch neben dieser kontrollierenden Funktion hat der Rat noch eine andere Aufgabe: „Er überprüft auch immer wieder unsere ökologische Ausrichtung und gibt Impulse“, sagt Sprecher Brandt.

Über die Verwendung des Geldes legen die grünen Geldhäuser genau Rechenschaft ab. Bis zu drei Mal im Jahr informieren die Banken ihre Kunden detailliert darüber, was mit ihrem Geld passiert. Die GLS Bank geht noch einen Schritt weiter: Bei ihr kann der Neukunde schon bei der Kontoeröffnung angeben, welchen Bereich er unterstützen möchte, je nachdem, was ihm mehr am Herzen liegt: Schulen oder Kindergärten, Wohnprojekte oder vielleicht doch die ökologische Landwirtschaft?

Das klingt alles sehr gut. Aber wie verlässlich ist es? „Die sind alle ziemlich transparent“, bestätigt Thomas Pfister, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Doch blind vertrauen sollte man auch grünen Banken offenbar nicht. Gerade erst beschäftigte die Umweltbank deutsche Verbraucherschützer: Die Bank hatte langjährige Investitionen in Windparks als sichere Altersvorsorge verkauft. Finanztest kritisierte das, die Bank musste ihre Werbung ändern. Daneben seien die grünen Banken aber bisher relativ skandalfrei, sagt Finanzexperte Pfister.

Allzu viel wirtschaftlichen Gewinn darf der Kunde bei diesen Banken allerdings nicht erwarten. Kosten entstehen etwa dadurch, dass bis auf die Triodos keine von ihnen ein gebührenfreies Girokonto anbietet. Und Geldanlagen sind bei diesen Banken zwar genauso sicher wie bei konventionellen Banken, weil sie grünen Banken ebenfalls den gängigen Einlagensicherungssystemen angeschlossen sind. Die Zinssätze für die Einlagen sind allerdings recht mager: Den geringsten Zinssatz bietet die GLS Bank mit 0,8 Prozent an.

Doch auch wenn es höhere Zinsen gibt: Bei allen Banken liegen die Zinssätze unterhalb der Inflationsrate. „Diese mittelmäßigen Konditionen sind der Preis für deren zinsgünstige Kredite“, sagt Finanzexperte Pfister. Wer sein Geld bei einer ethischen Bank anlegt, tut damit also unter Umständen etwas Gutes – er muss sich offenbar aber auch damit abfinden, dass es weniger wird.

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