Zeitung Heute : „Investieren Sie Vertrauen in andere“ Beraterin Siegl über Teamfähigkeit und Erfolg

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Frau Siegl, was sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine kooperative Zusammenarbeit von Unternehmen?

Teamfähigkeit, Vertrauen in sich selbst und andere sowie natürlich Kommunikationsbereitschaft. Mehr ist eigentlich nicht erforderlich. Aber daran hapert es in unserer Kultur, in der die Schulen und Universitäten im Grunde genommen zu Einzelgängern erziehen. Obwohl der TeamBegriff in aller Munde ist, können Jungmanager damit wenig anfangen. Wir haben hierzulande nicht die Mentalität, unterschiedliche Stärken zu sehen, anzuerkennen und richtig einzusetzen.

Ist nicht beispielsweise die Konzentration auf die Kernkompetenzen des Unternehmens eine Entscheidung von Managern, die die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit durchaus erkannt haben?

Noch besser wäre die Bereitschaft, das Können der anderen mit in die Planung einzubeziehen – und daraus die notwendigen Handlungen abzuleiten.

Etwa durch Gründung einer Kooperation oder Beteiligung an einem Netzwerk?

Ja natürlich. In einem Netzwerk sind die Chancen, dass ich eine gute Idee durchsetzen kann, deutlich besser als im Alleingang. Das gilt für kooperiende Einzelpersonen genauso wie für Unternehmen, die sich in einem Netzwerk zusammenschließen. Der eine Grund dafür ist, dass man ja schon vor den eigentlichen Projektsitzungen mit anderen Leuten redet, sich Anregungen holt und auf Verbesserungsmöglichkeiten hingewiesen wird. Allein das erhöht bereits die Wahrscheinlichkeit, im Meeting erfolgreich zu sein. Man ist selbst sicherer – und bekommt auch noch Unterstützung durch andere. Dieser Aspekt ist wichtig für jeden, der nicht unbedingt der perfekte Redner ist und seine Sache rhetorisch so gut vertreten kann, wie er sich das selbst wünscht. In einem Netzwerk ist es möglich, andere als Verstärker zu benutzen. Da geht es – im Idealfall – vor allem um die Sache.

Eitelkeiten spielen keine Rolle?

Kooperation hat etwas mit Systematik zu tun. Wer glaubt, nur und alleine durch seine eigene geniale Idee überzeugen zu müssen, ist für die Zusammenarbeit nicht geeignet. Es fehlt die Bereitschaft, anderen zu vertrauen, mit Enttäuschungen erwachsen umzugehen und Netzwerke nicht mit dem verpönten ,Vitamin B’ oder mit Protegieren gleichzusetzen. Natürlich gibt es Seilschaften und Kreise, in die man auch mit den besten Absichten und größten Anstrengungen nicht hineinkommt. Aber darum geht es beim Kooperieren nicht. Kooperation ist die beste legale, strategische und taktische Vorgehensweise, seine Ziele zu erreichen. Denn wer kann schon von sich behaupten, dem Ideal der ,eierlegenden Wollmilchsau’ zu entsprechen?

Ihrem Verhalten nach denken ja wohl ziemliche viele Selbstständige und Firmenchefs genau so über sich. Können diese ihre Mentalität ändern, also umlernen?

Mit Hilfe von Coaching ist es möglich, etwas über seine Stärken zu erfahren, auf die man sich verlassen kann, und auch über seine Schwächen, die man besser kompensieren sollte – zum Beispiel durch andere. Das setzt allerdings eine Grundfähigkeit zur Selbstreflexion voraus. Die besitzt leider nicht jeder. Die Fragen stellte Christine Schreiber

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