Zeitung Heute : „Investoren brauchen Vertrauen“ Ostausschuss-Experte Wieck über die Wirtschaft in Russland

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OLIVER WIECK

ist Geschäftsführer des Länderkreises Russland im Ostausschuss der

Deutschen Wirtschaft.

Foto: promo

Herr Wieck, raten Sie deutschen Unternehmen derzeit von Investitionen in Russland ab?

Wir beobachten die aktuelle Entwicklung in Russland und betrachten genau, welche politischen Entscheidungen auf die wirtschaftliche Entwicklung einwirken. Für Investitionsvorhaben in interessanten Sektoren wie Rohstoffe oder Energie gilt dies jetzt ganz besonders. Sollte hier der Investitionsfluss nachlassen, wird dies die Modernisierung der russischen Wirtschaft weiter verzögern.

Will Putin diese Modernisierung verhindern?

Das will er sicher nicht. Ich denke aber, die Gründe für die Beschlagnahme der Jukos-Aktien haben auch damit zu tun, dass der Staat seinen Einfluss im Energie- und Rohstoffbereich wahren möchte. Das ist aber ein Schritt, der ein falsches Signal aussendet. Es wären jetzt klare Zeichen nötig, dass ausländische Investoren auch in diesem Bereich weiterhin im Land willkommen sind.

Wie müsste das geschehen?

Mit dem Schaffen von Vertrauen und Stabilität. Wenn eine Firma Geld ins Land bringt, dann muss sie wissen, was morgen und übermorgen passiert. Diese Signale müssen ganz klar kommen. Wichtig ist jetzt vor allem, dass es zu keinen weiteren einschneidenden Schritten kommt.

Kann das Vertrauen unter diesem Präsidenten wiederhergestellt werden?

Ich denke schon. Es ist ja auch nicht restlos verloren. Die Zeichen, die wir bekommen, deuten darauf hin, dass die Entwicklung Russlands zu einer Marktwirtschaft weitergehen wird. Aber dass ausländische Firmen erst einmal vorsichtig sind, ist selbstverständlich.

Dass Investoren Probleme in Russland haben, ist allerdings nicht neu.

Das stimmt. Es ist ja nicht so, dass es in Russland nicht entsprechende Gesetze gibt. Das Problem war und ist eher die Umsetzung dieser Gesetze und, dass man vor Ort mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, wenn es darum ging, ein Vorhaben in ein konkretes Projekt zu verwandeln. Es geht aber auch um Transparenz. Man weiß nicht immer, wer welche Entscheidungen zu welchem Zeitpunkt trifft.

Sie meinen die Wirtschaftskriminalität.

Das ist keine Wirtschaftskriminalität, das muss man ganz deutlich sagen. Ich meine das Ineinandergreifen von Behördenentscheidungen und, vor Ort auch das Interesse ausländischer Investoren zu akzeptieren. Diese Probleme können nicht von heute auf morgen erledigt werden, aber wir waren bisher eigentlich auf einem ganz guten Weg.

Das Gespräch führte Christian Hönicke.

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