Zeitung Heute : Investoren ziehen Finanzspritze für Benjamin Franklin auf

Der Tagesspiegel

Von Ingo Bach

Die Zukunft des Universitätsklinikums Benjamin Franklin könnte Privatisierung heißen. Noch berät die von Wissenschaftssenator Thomas Flierl berufene Expertenkommission über Alternativen zur Schließung des Universitätsklinikums. Doch schon jetzt melden sich private Investoren, die das Renommier-Objekt als Uniklinik übernehmen wollen. Und nicht nur deutsche Klinikkonzerne bekunden ihr Interesse, selbst Gesundheitskonzerne aus den USA fühlten in Steglitz schon vor.

Ein besonderes Interesse hat die private Gruppe „Rhön-Klinikum-AG“ mit Sitz in Bad Neustadt/Saale. Damit hätte das Unternehmen einen direkten Zugriff auf die medizinische Spitzenforschung, denn im deutschen Krankenhaussystem dürfen nur die Universitätskliniken neben der Krankenversorgung auch forschen. Dieser direkte Draht wäre der Aktiengesellschaft einiges wert. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Aktiengesellschaft, Joachim Manz, sagte dem Tagesspiegel: „Im Universitätsklinikum sind Investitionen von etwa 100 Millionen Euro nötig. Hinzu kommen 150 Millionen Euro für neue Technik.“ Diese Summe würde Rhön investieren und auf dem Gelände neu bauen. Die staatlichen Zuschüsse für Forschung und Lehre am Uniklinikum, über deren Höhe mit dem Wissenschaftssenator verhandelt werden muss, sollen aber weiter fließen. Auch den Krankenkassen, die seit Jahren fordern, die Bettenzahl in Berliner Krankenhäusern zu reduzieren, will Manz etwas bieten. „Wir sind bereit, die Hälfte der Betten im Uniklinikum abzubauen.“

Derzeit verfügt das Steglitzer Klinikum über 1250 Betten. „Die durchschnittliche Verweildauer eines Patienten im Benjamin Franklin liegt bei zehn Tagen, wir müssen runter auf fünf.“ Rhön will dafür allerdings die Betten-Kapazitäten für die Chirurgie- und Intensivmedizin „etwas“ erhöhen. Befürchtungen der Mitarbeiter, sie könnten ihren Job verlieren, hält Manz zwar für unbegründet, sagt aber: „Natürlich achten wir auf effiziente Strukturen.“

Auch der Rhön-Konkurrent Helios Kliniken GmbH in Fulda denkt über ein Engagement im Benjamin Franklin nach. „Wir sind sehr an einer Übernahme interessiert, vor allem bei einem Objekt, das so einen hervoragenden Ruf hat“, sagt Geschäftsführer Uwe Drechsel. Das Hauptinteresse gilt jedoch dem Krankenversorgungsbereich. „Ob das Benjamin Franklin in privater Trägerschaft seinen Status als Uniklinikum behalten kann, muss geprüft werden.“ Und auch der Berliner Krankenhausgesellschaft Vivantes, die über die Einbeziehung privaten Kapitals nachdenkt, wird ein Interesse am UKBF nachgesagt. Vivantes will dies jedoch weder bestätigen noch dementieren.

Die Verantwortlichen im FU-Klinikum sind nicht begeistert von den Investoren-Anfragen. „Wir schaffen es auch alleine, das Klinikum wieder auf Vordermann zu bringen“, sagt Verwaltungsdirektor Peter Zschernack. „Wenn man uns die gleichen Voraussetzungen gewährt, wie den städtischen Krankenhäusern, die in Vivantes aufgegangen sind.“ Das heißt: Die Klinik will das volle Verfügungsrecht über ihre Immobilien, um sie als Sicherheit für Kredite anbieten zu können.

Wissenschaftssenator Thomas Flierl will dem Urteil der Expertenkommission nicht vorgreifen. „Aufgabe der Kommission ist es, alle Optionen zu prüfen“, sagt Flierls Sprecher Thorsten Wöhlert.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar