iPhone 6 : Die Maschine schlägt zurück

Es war schon immer der Alptraum des Menschen, technische Geräte die Macht übernehmen zu sehen. Helmut Schümann weiß jedoch, wie man haarfressenden iPhones begegnet. Eine Glosse.

Dieser Mann hat von seinem iPhone 6 nichts zu befürchten. Er hat keine Haare, die das Telefon ihm entreißen könnte.
Dieser Mann hat von seinem iPhone 6 nichts zu befürchten. Er hat keine Haare, die das Telefon ihm entreißen könnte.Foto: dpa

Der Mensch und die Maschine. Es geht mir allerdings nicht so flüssig von der Hand, dieses scheinbar harmlose, schlanke, flache, gerade mal ungefähr 11 x 6 x 1 Zentimeter kleines Ding als Maschine zu bezeichnen.

Eine Maschine, die hat doch Zahnräder, Hebel, die rattert doch oder brummt, und wenn sie schlecht läuft, knirscht sie und knarzt. Andererseits können nicht einmal die kulturpessimistischsten Ewiggestrigen bestreiten, dass in so einem iPhone – modern times – ein antiker Deus ex machina haust. Der beugt sich und biegt sich, was er eigentlich nicht darf, ein Skandal. Wir nennen das – modern times eben – Bentgate.

Aber der, das, keine Ahnung, Bentgate war gestern. Heute wissen wir, dass dieser deus ex machina ein kleines Teufelchen ist, das auch an Haaren zieht und ziept, bis es die Haare hat. Das Teufelchen hat sich eingenistet zwischen Display und Metallgehäuse, und wenn man macht, was auch des iPhones 6 ursprüngliche Aufgabe ist, nämlich telefoniert, dann schnappt sie zu, die Lücke, und holt sich büschelweise Haare. Mind the gap. Wir nennen das Hairgate. Wir nennen ja inzwischen alles, was anders ist als erwartet, -gate.

Das kommt von Watergate, dem Skandal um den früheren US-Präsidenten Richard Nixon. Nippelgate zum Beispiel, das war eine unzeitgemäß entblößte weibliche Brustwarze. Waterkantgate, da ging es um einen in einer Badewanne ertrunkenen Ministerpräsidenten aus Schleswig-Holstein. Beim Monicagate war aus dem Oval Office des Weißen Hauses von Washington ein Oral Office geworden. Und nach Lage der Dinge zieht, wenn sich Brüssel und die Uefa einschalten, in der Bundesliga gerade ein Freistoßspraygate heran.

Wo wer sein iPhone ans Ohr hält, entscheidet der Mensch in einem Anflug von Restindividualität noch selber

Aber zurück zum Hairgate. Die Maschine schlägt zurück. Glaubt man den betroffenen Telefonierern, zupft sie regelmäßig Haare aus dem Schopf. Wahlweise über dem linken oder dem rechten Ohr, wo wer sein iPhone ans Ohr hält, entscheidet der Mensch in einem Anflug von Restindividualität noch selber. Ansonsten war es immer schon die Furcht der Menschheit, dass die Technik einst die Macht übernimmt. Was sie gleichwohl nicht davon abhält, diese Technik weiterzuentwickeln. Wilhelm Busch sagt zu diesem Phänomen, dass nur die allerdümmsten Kälber sich ihre Schlächter selber wählen. Aber das ist ja schon wieder kulturpessimistisch.

Wie aber ist dem gierigen, haarfressenden iPhone 6 in modern times zu begegnen und zu widerstehen? Mit Freisprechanlagen!

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