Zeitung Heute : Iraks Wähler trotzen dem Terror

Martin GehlenD

Kairo - Die zweite Parlamentswahl im Irak seit dem Sturz von Saddam Hussein vor sieben Jahren ist am Sonntag von zahlreichen Terroranschlägen überschattet worden. Ungeachtet der allgegenwärtigen Gefahr strömten die Menschen in relativ großer Zahl zur Stimmabgabe – erste Schätzungen der Wahlbeteiligung lagen zwischen 50 und 65 Prozent. Nach Angaben des Innenministeriums kamen bei Raketenangriffen und Bombenanschlägen mindestens 38 Menschen ums Leben. Rund 100 Menschen wurden verletzt, die meisten in Bagdad. Die gesamten Sicherheitskräfte des Landes – rund eine halbe Million Mann – waren im Einsatz, um die Wähler zu schützen.

In den meisten irakischen Städten bildeten sich lange Schlangen vor den Wahllokalen. Insgesamt bewarben sich 6192 Kandidaten um die 325 Sitze im Parlament. Trotz der Gewalt erklärte der schiitische Ministerpräsident Nuri al Maliki, der als der Favorit im Kampf um die Macht gilt, nach seiner Stimmabgabe in der „Grünen Zone“: „Wir begehen heute einen Festtag, nachdem wir viele Schwierigkeiten zu überwinden hatten.“

Der Wahltag gilt als wichtiger Schritt des Irak auf dem Weg in eine volle Souveränität. Für die US-Regierung ist vor allem wichtig, dass der nun folgende Prozess der Regierungsbildung nicht ins Stocken gerät, damit sie ihren Truppenabzug wie geplant fortsetzen kann. Derzeit sind noch knapp 100 000 amerikanische Soldaten im Irak stationiert. Ende 2011 müssen alle Einheiten das Land verlassen haben. Martin Gehlen

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