Zeitung Heute : Irreführende Werbung

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So sehen also die Typen aus, von denen die Eltern der MultimediaGeneration immer gewarnt haben: Unrasiert hocken sie in der Badewanne, streicheln mit der rechten Hand das coole Designer-Notebook, und spielen mit der anderen Hand lässig an den Knöpfen des Foto-Handys. Von dem Schock einmal abgesehen – nicht nur dem elektrischen – wenn der teure Mobilrechner im Schaumbad versinkt, fragt sich, was die Postbank mit ihrer Werbung sagen will? Der Claim „Seine TAN hat er immer dabei. Postbank direkt – das Finanzportal mTAN per SMS“ ist erklärungsbedürftig. Immerhin, die Internet-Banker kennen die Bedeutung der Abkürzung und wissen, dass man die so genannten Transaktionsnummern benötigt, um Bankgeschäfte über das Netz abzuwickeln. Und das, so heißt es in der Reklame weiter, wird jetzt noch flexibler, denn die Postbank schickt die Geheimnummern nun auch per SMS aufs Handy.

Man kann sich leicht vorstellen, wie stolz die Postbanker auf diese Innovation sind, denn nun kann man seine alte gedruckte Nummernliste „getrost zu Hause lassen – oder als Papierschiffchen einsetzen“, wie es weiter heißt. Doch hoppla, war da nicht was. Sind diese TANs nicht bares Geld wert? Galt nicht bislang die einhellige Meinung, dass diese sensiblen Informationen nicht einmal dem sicheren PC daheim anvertraut werden dürften? Und nun verschicken die Postbanker die Nummern unverschlüsselt aufs Handy. An Kunden, die möglicherweise auch im wirklichen Leben ihr Notebook am Badewannenrand ausbalancieren.

Man darf gespannt sein, auf welche kreativen Ideen die Marketing-Leute der Postbank in Zukunft noch kommen. Als Fortsetzung vorstellbar wäre, die nass gewordene TAN-Liste (siehe Papierschiffchen) zum Trockenen öffentlich auf die Wäscheleine zu hängen. Am besten mitsamt Kontonummer und PIN zum Einloggen. Aber eventuell gehört das ja schon zu den weiteren angekündigten Innovationen unter https://direkt.postbank.de. sag

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