Zeitung Heute : Islamische Staaten sperren Youtube

Islamabad/Kairo/Berlin - Die Regierungen von Pakistan und Bangladesch haben wegen der Veröffentlichung eines islamkritischen Films den Zugang zu der Videoplattform Youtube sperren lassen. Afghanistan blockiert Youtube im Moment zumindest teilweise, und Russlands Generalstaatsanwaltschaft kündigte an, die Verbreitung des Videos verbieten lassen zu wollen. Der islamfeindliche Film „Die Unschuld der Muslime“ hatte in den vergangenen Tagen in zahlreichen muslimischen Ländern zu einer Welle der Empörung geführt. Der Internetkonzern Google, dem Youtube gehört, will den Film nach eigenen Angaben aber nicht generell sperren.

Aus Rache für die Veröffentlichung des Films töteten Aufständische in Afghanistan am Dienstag zwölf Menschen bei einem Anschlag. Unter den Opfern waren neun Ausländer, wie die afghanische Polizei mitteilte. Die Terrorgruppe Al Qaida im islamischen Maghreb rief dazu auf, die Produzenten des Mohammed-Films zu töten. In einer Erklärung hieß es, wer den Propheten beleidige, müsse hingerichtet werden.

In Deutschland diskutieren Muslim-Verbände über ein mögliches Aufführungsverbot des Videos. Während der Zentralrat der Muslime die Verbreitung des Films aus Sorge vor einer Eskalation der Gewalt stoppen lassen will, hält der Liberal-Islamische Bund ein solches Vorgehen für kontraproduktiv. „Ein Verbot stachelt die Islamfeindlichkeit nur weiter an“, sagte die Vorsitzende Lamya Kaddor dem Tagesspiegel. Sie sieht in dem Film einen als Islamkritik getarnten Rassismus, der die gesamte Gesellschaft betreffe. Ein Verbot könne dieses Problem nicht lösen.

Das Bundesinnenministerium sieht eine rechtliche Möglichkeit, die öffentliche Vorführung des islamfeindlichen Videos zu untersagen. Der Filmtrailer beinhalte mehrere klare Beleidigungen und Schmähungen des islamischen Glaubens, sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur dpa. elk/AFP/dapd/dpa

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