ISLAMISCHE KUNST„Schätze des Aga Khan Museums“ : Schöne alte Welt

Ob das Interesse an der islamischen Welt in den letzten Jahren wirklich gewachsen ist, lässt sich schwer beantworten. Jedenfalls hat die Zahl der Buchpublikationen und Ausstellungen erheblich zugenommen. Manche Beschäftigung mit dem Thema ist auch schon Routine. Dieses Gastspiel im Gropius-Bau fällt da heraus: Zum ersten Mal in Deutschland werden Schätze aus der Sammlung des Aga Khan gezeigt. Es ist eine Feier des Buches und der Schrift. Zu den kostbarsten Exponaten gehört ein unfassbar filigranes Kastanienblatt, überzogen mit Kalligrafie, aus dem Osmanischen Reich (19. Jahrhundert) – und das Doppelblatt aus dem sogenannten „Blauen Koran“ (Nordafrika, 9./10. Jahrhundert). Aus Toledo stammt ein Astrolab des 14. Jahrhunderts, aus Täbris/Iran das Blatt „Gayumars Hof“ (Foto).

Die Ausstellung präsentiert unaufgeregt die oft vergessene Vielfalt der Kunst der islamischen Hemisphäre, die einst von Spanien über Nordafrika bis nach Indien reichte. Die wahrscheinlich kostbarsten Stücke stammen aus dem persischen Heldenepos „Shahnama“ des Dichters Firdaswi – wobei der Begriff „Miniatur“ angesichts der großen, prachtvollen Seiten ebenso missverständlich erscheint wie der Name „islamische Kunst“. Viel antikes Gedankengut, viel gemeinsame kulturelle Überlieferung steckt in diesen Artefakten, die in drei Jahren in einem neuen Museum in Toronto ihre Heimat finden werden. Die Welt, schreibt Prinz Aga Khan IV im Katalog, erlebt keinen „Krieg der Kulturen“, vielmehr einen Kampf der Unwissenheit auf beiden Seiten. Die globalen Aktivitäten des Aga Khan und seiner Stiftungen arbeiten dagegen an. Rüdiger Schaper

Martin-Gropius-Bau, bis So 6.6., Mi-Mo 10-20 Uhr, 8/6 €

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