Zeitung Heute : Islamisten aus Europa zieht es nach Syrien

200 Extremisten sind zum Kämpfen in das Bürgerkriegsland gereist – darunter auch Berliner.

Berlin - Am syrischen Bürgerkrieg beteiligen sich nach Tagesspiegel-Informationen aufseiten der Gegner des Assad-Regimes zunehmend Islamisten aus Europa. Seit vergangenem Jahr seien ungefähr 200 nach Syrien gereist, hieß es in Sicherheitskreisen. Die meisten, etwa 100, stammten aus Großbritannien. Aus Deutschland seien seit Beginn dieses Jahres mindestens ein halbes Dutzend Salafisten nach Syrien gelangt. Sie kämen vor allem aus Berlin.

Die Salafisten aus Deutschland würden bei der mit Al Qaida verbundenen Al-Nusra-Front mitkämpfen wollen oder zumindest Geldspenden überbringen. „Der syrische Bürgerkrieg hat in den vergangenen Monaten in der salafistischen Szene einen hohen Stellenwert bekommen“, sagte ein Sicherheitsexperte. Bislang gebe es aber keine Hinweise, dass Salafisten aus Deutschland bei Kämpfen verletzt oder getötet wurden.

Zu den nach Syrien gereisten Salafisten zählt auch der aus Berlin stammende Denis Cuspert, einer der früheren Anführer der im Juni 2012 von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verbotenen Organisation Millatu Ibrahim. Sicherheitskreise vermuten, dass der früher als Gangsta-Rapper „Deso Dogg“ bekannt gewordene Cuspert bei der Al-Nusra-Front mitkämpfen und als Märtyrer sterben wolle. In einem Video, das im September 2012 bekannt wurde, hatte Cuspert die Bereitschaft zum Märtyrertod angedeutet und die salafistische Szene aufgerufen, sie solle sich für den Heiligen Krieg in Deutschland oder einem anderen Staat einsetzen. Im Mai 2012 hatte die Polizei bei Cuspert Materialien gefunden, mit denen er offenbar eine Sprengstoffweste herstellen wollte. Ein dänischer Islamist soll laut einem Bericht der „Copenhagen Post“ in Syrien getötet worden sein. Slimane A. soll sich bereits am Dschihad in Afghanistan beteiligt haben.

Dass Islamisten aus Europa im syrischen Bürgerkrieg mitmischen, nützt der Propaganda des Assad-Regimes. Es bezeichnet die Rebellen pauschal als „Terroristen“. Sicherheitsexperten betonen jedoch, die Al-Nusra-Front und andere islamistische Kämpfer seien nur ein Teil des bewaffneten Widerstands.

Die Opposition im syrischen Bürgerkrieg hat am Freitag eine Übergangsregierung für die von ihr kontrollierten Gebieten angekündigt. Über die Zusammensetzung einer Regierung für die „befreiten Zonen“ und ihren Chef solle bei einem weiteren Treffen am 2. März in Istanbul entschieden werden. Darauf habe sich das größte Oppositionsbündnis Nationale Koalition geeinigt, sagte sein Sprecher Walid al-Bonni. Nach der Anschlagsserie vom Donnerstag mit nach UN-Angaben rund 100 Toten starben am Freitag durch Raketen auf Aleppo mindestens zwölf Menschen. mit AFP

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben