Zeitung Heute : Islamisten hatten Synagoge in Straßburg im Visier

Der Tagesspiegel

Frankfurt (Main). Im Frankfurter Islamistenprozess hat einer der fünf Angeklagten dem Oberlandesgericht ein bizarres Geständnis präsentiert. Die Gruppe habe Anfang 2001 die Synagoge in Straßburg sprengen wollen, ohne Menschenleben zu gefährden. ließ Aeurobui Beandali seine beiden Anwälte vortragen. „Ich wollte, dass die Beziehungen zwischen Frankreich und Israel gestört werden“, heißt es in der Erklärung, die der vermutlich aus Algerien stammende Islamist seinen Pflichtverteidigern kürzlich im Gefängnis diktiert hatte.

Vehement bestreitet Beandali, dass die Gruppe mit einer Nagelbombe ein Blutbad auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt anrichten wollte. Diesen Ort und einen Wochenmarkt in der elsässischen Metropole nennt allerdings Generalbundesanwalt Kai Nehm in der Anklageschrift. Das Bundeskriminalamt hatte bei der Festnahme Beandalis und drei weiterer Angeklagter an Weihnachten 2000 in Frankfurt/Main ein Video gefunden, auf dem das Straßburger Münster, der Weihnachtsmarkt und der Place Kleber zu sehen waren. Eine männliche Stimme schwadronierte im Hintergrund des Videofilms über „Ungläubige“ und sagte: „Fahrt zur Hölle“.

Nach Beandalis Version waren zwei der Angeklagten am 23. Dezember 2000 nach Straßburg gefahren, um die Synagoge zu filmen. Einer der beiden, Salim Boukhari, habe aber fälschlicherweise Münster und Weihnachtsmarkt aufgenommen, weil er die Synagoge angeblich nicht gefunden hatte.

Laut Beandali sollte die Synagoge mit selbstgemischtem Sprengstoff per Fernzündung über Funk gesprengt werden. Dabei sollten aber keine Menschen zu Schaden kommen. Geplant gewesen sei der Anschlag nach dem Sabbatgebet an einem Samstag Ende Januar/Anfang Februar 2001. Die Terroristen hätten warten sollen, bis die Synagoge leer und verschlossen gewesen wäre. Dann hätten sie eindringen und den Sprengstoff anbringen sollen.

Die in einer Frankfurter Wohnung gefundenen Waffen waren laut Beandali nicht für Anschläge in Deutschland oder Frankreich vorgesehen, sondern sollten nach Algerien transportiert werden, um dort dem bewaffneten Arm der islamischen Heilsfront übergeben zu werden.

Beandali räumte auch ein, er sei im Jahr 2000 in einer Glaubensschule der Taliban im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan gewesen und habe anschließend eine militärische Ausbildung erhalten. Osama bin Laden und dessen Terrorgruppe Al Qaida seien aber nicht beteiligt gewesen. Er, Beandali, habe sämtliche Kosten – auch für die Übungsmunition – aus eigener Tasche bestritten.Frank Jansen

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