Zeitung Heute : ISRAEL BEN JAKOV

geboren am 6. März 1948 im Kibbuz Degania

„Am Tag meiner Geburt kam meine Mutter nicht schnell genug ins Krankenhaus in Tiberias, deshalb wurde ich mitten im Kibbuz Degania am See Genezareth geboren. Die Hebamme war eine Frau, die sonst den Kühen beim Kalben half. Aber zum Glück ging alles ging gut. Ich bin schon die dritte Generation meiner Familie hier in Degania, Israels erstem Kibbuz. Mein Großvater kam 1912 mit anderen zionistischen Pionieren der Kibbuz-Bewegung aus Russland ins Jordan-Tal nach Palästina. Damals gab es hier kein Wasser, keine Felder, nichts. Viele wurden von Krankheiten dahingerafft oder gaben auf. Nur die Klügsten und Stärksten überlebten in dieser Wüste und verwirklichten ihren Wunsch: ein neues Land zu erschaffen. Heute blüht das Jordan-Tal wie die Gärten des Paradieses.

Meine Kindheit hier im Kibbuz Degania war wunderschön, ein sorgenfreies Leben in der Natur mit vielen anderen Kindern. Nach dem Abitur ging ich 1966 zur Armee, den Sechstagekrieg gegen Ägypten, Jordanien und Syrien ein Jahr später überstand ich unverletzt. Ich kehrte nach Degania zurück, heiratete und wurde Verantwortlicher für den Kuhstall. Im Oktober 1973, zwei Wochen nach der Geburt meines ersten Sohnes, brach der Jom-Kippur-Krieg aus, am höchsten jüdischen Feiertag griffen die arabischen Armeen uns an. Als Kommandant der Reserve musste ich im Golangebirge kämpfen und wurde verwundet: Ein Schuss zertrümmerte meinen linken Unterarm. Seitdem ist der Arm im Ellbogengelenk steif, und ich habe kein Gefühl mehr in der Hand. Aber ich sage immer: Hauptsache, der Kopf ist heil! Zurück in Degania, wurde ich Geschäftsführer der Landwirtschaft, dann Finanzvorstand, später Geschäftsführer der Finanzorganisation aller Kibbuzim im Jordan-Tal. Heute bin ich Vorsitzender von zwei großen Fastfood-Ketten. Ich habe nie darüber nachgedacht, den Kibbuz zu verlassen. Meine Familie und ich gehören hierher. Meine kleine Enkelin ist nun schon unsere fünfte Generation. Wenn ich das Leben im Kibbuz mit dem Leben außerhalb vergleiche, finde ich es besser. Auch wenn die Kibbuzim sich verändern und kapitalistischer werden – man lernt hier noch immer, mit anderen Menschen zu teilen. Das macht mich stark und glücklich.“

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