Zeitung Heute : Israel bombardiert Gazastreifen

Hunderte Tote und Verletzte in Palästinensergebieten / Islamistische Hamas kündigt Rache an

Gaza/Jerusalem - Nach tagelangem Raketenbeschuss durch radikale Palästinenser hat Israel seine Drohungen wahr gemacht und massive Luftangriffe auf den Gazastreifen geflogen. Israelische Kampfflugzeuge bombardierten am Samstag Stellungen der radikalislamischen Hamas, mindestens 200 Menschen wurden nach palästinensischen Angaben getötet, weitere 750 seien verletzt worden. Hamas-Sprecher Fausi Barhum kündigte an, dass Israel für das „Blutbad“ einen Preis zahlen werde. Auf israelischem Boden schlugen mehr als 30 selbst gebaute Raketen auf. Ein Geschoss traf ein Haus in derStadt Netivot. Ein Mensch wurde getötet, vier Israelis wurden verletzt.

Nach Angaben des Hamas-Hörfunks gab es die meisten Opfer in der Stadt Gaza im Norden des abgeriegelten Küsten streifens. Der Sprecher der Hamas-Sicherheitskräfte sagte, dass mehr als hundert der Getöteten Polizisten seien. Unter ihnen befinde sich auch der Polizeichef von Gaza, General Taufik Dschaber. Es sei die höchste Opferzahl an einem Tag seit dem Sechstagekrieg von 1967, hieß es. Ziele der israelischen Angriffe, die um 11 Uhr 30 Ortszeit begannen, waren Armeesprecher Avi Benjahu zufolge Waffen arsenale, Ausbildungslager, Regierungsbüros und Kommandozentralen der Hamas. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben alle Polizeistationen und Sicherheitszentren der Hamas in Gaza zerstört. Beteiligt waren nach israelischen Medienberichten 60 Kampfjets.Das Militär teilte mit, bis zum Nachmittag seien 100 Tonnen Bomben abgeworfen worden. Da die Vorbereitungen im Geheimen abgelaufen seien, seien die Angriffe für die Hamas überraschend gekommen, sagte Benjahu. Die Luftangriffe seien erst der Anfang der Angriffe gegen die Hamas gewesen. Es gebe keine Frist für ein Ende des Einsatzes. Dieser wurde nach einer Erklärung aus dem Büro des amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert bereits am 24. Dezember vom Kabinett gebilligt. Olmert sowie Verteidigungsminister Ehud Barak und Außenministerin Zippi Livni hätten am Samstagmorgen die Luft angriffe genehmigt.

Die Hamas rief ihre Kämpfer auf, den israelischen Einsatz „mit Gewalt“ zu rächen. Nach Berichten des Hamas-Radios beschossen radikale Palästinenser den Süden Israels am Samstag mit Dutzenden Raketen. Eine Israelin wurde getötet, als ein Geschoss in einem Haus in der Ortschaft Netivot einschlug, wie israelische Rettungskräfte mitteilten. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Luftangriffe und nahm nach eigenen Angaben Kontakt zu mehreren Ländern auf, um die israelischen Angriffe zu stoppen. Die arabische Welt solidarisierte sich umgehend: Ägypten verurteilte die „militärische Aggression Israels“ und öffnete den Übergang Rafah zum Gazastreifen, um verletzte Palästinenser zu versorgen. Gleichzeitig versprach Präsident Husni Mubarak weitere Anstrengungen zur Wiederherstellung eines Waffenstillstands. Jordanien beantragte eine Sondersitzung der Außenminister der Arabischen Liga. Der französische Staatschef und EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy verlangte ein unverzügliches Ende der Raketenangriffe auf Israel sowie der israelischen Bombardements. Er verurteilte die „unangemessene Anwendung von Gewalt“.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich „sehr besorgt“. „Der Gazastreifen droht erneut in einer Spirale der Gewalt zu versinken“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Für die einseitige Aufkündigung der Waffenruhe durch die Hamas fehle der Bundesregierung jedes Verständnis. „Hamas muss den unerträglichen Raketenbeschuss auf Israel sofort und dauerhaft einstellen“, forderte Steinmeier. Gleichzeitig appellierte er an die israelische Regierung, „bei den Militär aktionen das Gebot der Verhältnismäßigkeit zu respektieren und alles zu tun, um zivile Opfer zu vermeiden“. Auch die USA riefen Israel zur Rücksichtnahme auf. Allerdings müsse die Hamas die Raketenangriffe einstellen. Russland forderte beide Seiten zum Gewaltverzicht auf. AFP/dpa

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