Israel hat gewählt : Mosche Kachlon - Königsmacher aus einfachen Verhältnissen

Benjamin Netanjahu ist auf Koalitionspartner angewiesen. Und hofft dabei vor allem auf Mosche Kachlon, der einst dem Likud angehörte. Wer ist der Gründer der neuen Partei Kulanu, die zehn Sitze in der Knesset errang?

Bürgernah. Mosche Kachlon kümmert sich vor allem um Wirtschaftspolitik.
Bürgernah. Mosche Kachlon kümmert sich vor allem um Wirtschaftspolitik.Foto: dpa

Noch in der Wahlnacht ließ er sich alle Möglichkeiten offen und freute sich einfach nur über den Erfolg seiner Partei: Mosche Kachlon, der Königsmacher, von dem nun wohl die Bildung der neuen israelischen Regierung abhängt. Der konservative Sozialpolitiker kam mit seiner Partei Kulanu (Wir alle) auf zehn Sitze. Sie ist so ziemlich die einzige Partei im neuen Parlament, die sowohl mit Netanjahus Likud-Partei als auch mit dem Zionistischen Lager koalieren würde.

Doch Kachlon macht es bislang spannend, schließt keine Option aus und wartet ab, wer seine Ziele im Regierungsprogramm am stärksten berücksichtigt. Auch die Ankündigung Netanjahus, er würde Kachlon zum Finanzminister machen, hat keinen Eindruck bei dem Umworbenen hinterlassen. Denn der ist vorsichtig. Schon früher seien ihm Posten zugesagt worden. Doch dann habe man diese Versprechen gebrochen.

Kachlon gehörte mal Netanjahus Likud an, zählte zum gemäßigten Flügel und war unter anderem Wohlfahrts- und Sozialminister. Vor drei Jahren kehrte er der Politik unerwartet den Rücken. Erst Ende 2014 betrat er mit seiner neuen Partei wieder die politische Bühne.

Im Wahlkampf setzte er fast ausschließlich auf Wirtschaftsthemen und traf damit den Nerv des Landes. Denn für viele Israelis spielen die horrenden Mietpreise und Lebenshaltungskosten im Alltag eine größere Rolle als die Bedrohung durch den Iran, auf die sich Netanjahu im Wahlkampf konzentrierte.

Kachlon will die sozialen Unterschiede verringern und gegen die Monopolbildung bei Konzernen ankämpfen. Bereits vor sechs Jahren hatte er sich als Kommunikationsminister die Herzen der Bürger erobert, als er den Mobilfunkmarkt aufbrach und damit die Handyrechnungen der Israelis um ein Vielfaches senkte. Das rechnen ihm viele bis heute an und halten ihn obendrein für glaubwürdig.

Nicht zuletzt deshalb, weil der 54-Jährige selbst nicht aus wohlhabenden Verhältnissen stammt und sich als Sohn libyscher Einwanderer hochgearbeitet hat, Politikwissenschaften und Jura studierte – und als Politiker im Sinne der Bürger erfolgreich versuchte, die Macht der großen Unternehmen zu begrenzen.

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