Zeitung Heute : Israels Bild von Deutschland

Der Tagesspiegel

Herr Dagan, im „Spiegel“ steht, mit Igal Avidan von der Zeitung „Maariv“ werde in Deutschland der letzte Israel-Korrespondent abgezogen. Was machen Sie in Berlin?

Ich arbeite unverändert als Korrespondent für die öffentlich-rechtliche Anstalt Kol Israel, die „Stimme Israels“ – insbesondere fürs Radio, weniger fürs Fernsehen. Kol Israel ist der wichtigste und größte landesweite Sender Israels. Zudem schreibe ich für „Globes“, eine israelische Wirtschafts-Tageszeitung.

Ergeht es Ihnen wie Avidan, der sagt, das Interesse israelischer Medien an Deutschland sei gering, meistens habe er über Kuriositäten und Sexgeschichten berichten müssen?

Ich schreibe nicht über Kuriositäten, sondern über Politik, Wirtschaft, Aktuelles, etwa das Zuwanderungsgesetz. Ich berichte über die Filmfestspiele, Opernhäuser und kulturelle Ereignisse. Im täglichen Auslandsmagazin nimmt Deutschland einen prominenten Platz ein. Insgesamt stelle ich fest, dass das Interesse Israels an Deutschland ungebrochen groß ist.

Sie sind auch im Vorstand des Vereins der Auslandspresse. Gibt es außer Ihnen hier noch weitere israelische Korrespondenten?

Neben Igal Avidan und mir gibt es im Moment keinen anderen Kollegen. Aber ich denke, dass in nächster Zeit wieder welche kommen. Immerhin kommen viele Journalisten aus Israel zu bestimmten Anlässen, um aus Deutschland zu berichten – etwa zur CeBit, zur Buchmesse oder anderen Messen. Es ist unzutreffend zu behaupten, das Deutschland-Bild in Israel sei von der Vergangenheit geprägt. Die Wahrnehmung von Israel in Deutschland ist sehr stark von den Shoah-Überlebenden geprägt– eine kleine, schwindende Minderheit. Das deutsche Bild entspricht nicht der Realität des modernen Israel.

Das Gespräch führte Ulrike Simon.

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