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THEATER DES WESTENS Ben Elton erzählt in dem Queen-Musical „We Will Rock You“ von der Teenager-Revolte gegen den Konzern Globalsoft – dazu erklingen 25 Hits der legendären Band

SANDRA LUZINA
Autor und Regisseur Ben Elton (2. Foto unten, links) und die Darsteller von „We Will Rock You“ stimmen sich auf das Berlin-Gastspiel ein.
Autor und Regisseur Ben Elton (2. Foto unten, links) und die Darsteller von „We Will Rock You“ stimmen sich auf das...

Gerade noch hat Ben Elton seinen Kindern, die im fernen Australien weilen, eine Gute-Nacht-Geschichte per Handy erzählt. Dann geht’s weiter mit den Interviews im 10-Minuten-Takt. Der britische Bühnenautor ist zusammen mit den beiden Queen-Musikern Brian May und Robert Taylor für einen Tag nach Berlin gekommen, um die Werbetrommel für das Queen-Musical „We Will Rock You“ zu rühren. Was Ben Elton, der in England als Stand-Up-Comedian und Schöpfer preisgekrönter TV-Serien bekannt ist, über den Plot des Musicals verrät, klingt wie ein Globalisierungs-Schauermärchen. Man stelle sich eine Welt vor, in der Rockmusik verboten ist und die Kids von computergeneriertem Pop unterdrückt werden. Im Hintergrund zieht der weltumspannende Konzern Globalsoft mit der Killer Queen an der Spitze die Fäden. Musikinstrumente sind verboten, die alten Rocksongs existieren nur noch in der Erinnerung Einzelner. So wie Elton diese „Gaga-Welt“ beschreibt, fühlt man sich natürlich an George Orwells Klassiker „1984“ erinnert. „Orwell hat die Vorlage für alle negativen Utopien geschrieben, sei es „Matrix“, „Terminator“, „Brave New World“ oder eben „We Will Rock You“, sagt Elton. „Das Musical hat etwas von der Orwell’schen Satire, das gibt ihm eine gewisse Schärfe. Und wie alle Satire spielt es in einer Welt, die teilweise unserer eigenen Welt ähnelt.“

Doch es gibt zwei Teenager, die sich auflehnen gegen die totale Gleichschaltung: das Mädchen Scaramouche, eine Rotzgöre, die überall aneckt. Und Galileo, der in seinen Gedanken immer wieder Textzeilen bekannter Rockklassiker hört. Galileo und Scaramouche – beide Namen tauchen in dem Queen-Song „Bohemian Rhapsody“ auf – sind die Identifikationsfiguren des Stücks .

Elton redet sich rasch in Begeisterung, wenn er von der Figur des Galileo spricht: „Er hat ein bisschen was von James Dean in ,Rebel Without a Cause’“. Aber auch der verstorbene Queen-Sänger Freddie Mercury schwebte ihm vor. Einfach nur dessen Leben nachzuerzählen, kam für Elton nicht infrage. In „We Will Rock You“ schmieden also Galileo und Scaramouche den Plan, eine Band zu gründen. Doch sie stehen vor dem Problem, dass es in ihrer Welt keine Gitarren mehr gibt. Und hier hat sich der Comedian eine lustige Volte ausgedacht: Der langhaarige Gitarrengott einer britischen Band namens Queen hat nämlich vor Hunderten von Jahren eigenhändig sein Instrument versteckt. Die Kids bergen diesen musikalischen Schatz. Und so erklingen dann auch 25 der legendären Queen-Songs – von „Kind of Magic“ bis „I Wanna Break Free“ .

Ben Elton ist Jahrgang 1959 – das Jahr, in dem Elvis zur Armee ging, wie er anmerkt. Der King und die Beatles bildeten den Soundtrack seiner Kindheit. Später begeisterte er sich für T. Rex und auch für Punkrock. „Zum ersten Mal gibt es eine Generation, die mit YouTube aufwächst“, erklärt der Autor. „Diesen Kids wollen wir vermitteln, wie toll es ist, Live-Musik zu erleben.“SANDRA LUZINA

Premiere 21.10., 19.30 Uhr. Di, Do, Fr und Sa 19.30 Uhr;

Mi 18.30 Uhr; Sa und So auch 14.30 Uhr

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