Zeitung Heute : Istanbuler Mischung

Özlem Süer macht Mode von orientalischer Pracht

Inge Ahrens

Prachtvolle, aufwändige Kreationen mit lyrischen Stickereien, gebauschte Seide von einer zweiten Haut aus Chiffon überzogen, gesmokter Samt und zu Chrysanthementuffs gedrückte Baumwolle. Bei Özlem Süer wachsen aus neuen Stoffen antike hohe Kragen, Manschetten sind aus handgestickten, mürben Spitzenlitzen, und aus reich gewirkten festlichen Wämsen bordet steife Baumwolle. Ein hundert Jahre alter, granatapfelroter Mantel aus mattem Samt offenbart beim Aufschlagen seine erdbeerfarbene Innenhaut aus Taft.

Özlem Süer steht für die junge Türkei und ist gleichzeitig eine Bewahrerin ihrer schönsten Kulturen. 35 Jahre alt und Professorin für Kostümbild an der Mimar-Sinan-Universität in Istanbul, ist sie eine der Designhoffnungen ihres Landes. In diesem Jahr konnte sie ihre Haute Couture das erste Mal auf der Düsseldorfer Modemesse cpd zeigen.

Die alten Festgewänder fügen sich herrlich in die neuen Formen. Özlem Süer findet sie in Anatolien. Dafür fährt sie schon mal eine ganzen Tag bis ins Landesinnere. Auf dem Ägyptischen Markt und im Grand Bazaar Istanbuls stöbert sie nach kostbaren Stoffen, handgemachten Perlmuttknöpfen, glitzernden Garnen. Ihre Kollektion ist die Stoffwerdung aller Gegensätze der Metropole am Bosporus, zwischen dem Schwarzen und dem Marmara Meer: alt und trotzdem neu, orientalisch und westlich zugleich, üppig und dann wieder fast puritanisch. Zu den Gewändern gibt es die passenden Pantöffelchen aus gerafftem Samt oder geschlungenem Rips. Aschenputtel hätte seine Freude, und die Jeunesse doreé von Istanbul läßt sich von Özlem Süer ihre Abendgarderobe auf den Leib schneidern. Kein Stück gleicht dem anderen.

Özlem Süers Schöpfungen sind Kunst und Kleidung zugleich und bezauberten das Düsseldorfer Messepublikum. „Die Blitzlichter flackerten nur so“, lacht sie. In Düsseldorf knüpfte sie die ersten Kontakte in Deutschland. In Istanbul verkauft sie direkt aus dem Atelier. 1000 bis 2500 Euro bezahlen ihre Kundinnen für ein Unikat: mit Perlen bestickt, aus gerafftem Mull oder mit vielfarbigen, wippenden Posamenten.

Dass ihr Land den Sprung in die Europäische Gemeinschaft noch nicht geschafft hat, ist für Özlem Süer nur eine Formalität. Ihr ist es wichtig, dass die Türkei ihre Waren endlich selbstbewusster vermarktet. „Dieser Staat macht hinreißende Fakes für alle möglichen westlichen Firmen: Handtaschen, Textilien, Möbel . . . Es wird Zeit, eigene Marken anzubieten.“ Made in Istanbul als Gütesiegel, das ist das Ziel. Özlem Süer ist die beste Botschafterin. Ihre Kleider leuchten in den schönsten Farben des Orients. Sie schimmern wie der abendliche Himmel am Goldenen Horn und glitzern wie die hoch stehende Sonne auf dem Wasser des Bosporus.

www.ozlemsuer.com

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