Zeitung Heute : Italien – Frankreich

Finale, Olympiastadion Berlin 20.00 Uhr, live in der ARD und bei Premiere

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Es gibt viele Geschichten, die man über dieses Finale erzählen könnte. Über alte Männer zum Beispiel, die sich im Spätherbst ihrer Karriere unerwartet noch einmal auf der Höhe ihres Schaffens befinden. Über Stars, die heute Weltmeister und morgen arbeitslos sein können. Über taktische Meisterleistungen, vor allem in der Defensive. All diese Geschichten sind wahr. Ein wenig zumindest.

Auf die Franzosen hatte vor dem Turnier niemand so recht wetten mögen. Schwerfällig war ihr Start. Dafür gerieten die wichtigen Spiele umso überzeugender. Sieg gegen die hoch gelobten Spanier, die überschätzten Brasilianer des ihnen zugeschriebenen Zaubers beraubt, die Portugiesen im Halbfinale kühl auf Distanz gehalten. Dabei überzeugten Männer, von denen man nicht sicher war, ob ihr außerordentliches Können ihnen noch selbst gehörte – oder nicht doch schon der Sportgeschichte. Zidane, Vieira, Thuram, Weltmeister von einst, 1998.

Sie waren oder sind, und das ist schon Teil einer anderen Geschichte, bei Juventus Turin angestellt. Vieira und Thuram etwa stehen dort noch unter Vertrag, aber das könnte sich ändern. Der Ausverkauf der Mannschaft hat begonnen, am Montag soll das Urteil über den Fußball-Manipulationsskandal in Italien gesprochen werden. Frühestens. Acht Juve-Spieler, Italiener wie Franzosen, haben die Chance, Weltmeister zu werden. Dann droht der Zwangsabstieg in die dritte Liga. Trotzdem werden die Stars sich um ihre berufliche Zukunft nicht ernsthaft sorgen müssen – erst recht nicht, wenn sie das Olympiastadion als Sieger verlassen. Zudem hat am Freitag Italiens Justizminister Clemente Mastella allen Ernstes Straffreiheit für die angeklagten Spitzenklubs vorgeschlagen.

Betrachtet man alles ein wenig nüchterner, dann ist die Geschichte dieses Endspiels, dass zwei Teams mit einer nur sehr schwer zu überwindenden Defensive aufeinander treffen: Italien gegen Frankreich, ein Gegentor gegen zwei Gegentore. Es ist der Trend des Turniers, der im Finale sein konsequentes Ende findet. Die interessanteste Frage dabei ist, wie die Italiener das Spiel angehen. Abwartend, wie zumeist bisher – oder ähnlich offensiv wie gegen die Deutschen? Der Charakter des Spiels wird entscheidend davon abhängen. Beide Trainer können, wie es aussieht, mit ihrem Wunschensemble auftreten. Nur Italiens Innenverteidiger Alessandro Nesta fehlt verletzt. Das bisherige Turnier aber hat gezeigt, dass selbst das Marcello Lippis Mannschaft vor kein unlösbares Problem stellt.

Schiedsrichter:

Horacio Elizondo (Argentinien)

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