Zeitung Heute : Italien – Ukraine

Viertelfinale, WM-Stadion Hamburg, 21.00 Uhr, live in der ARD und bei Premiere

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Die Ukraine ist jung, zum ersten Mal bei der WM und überraschend weit gekommen – so etwa muss sich Boris Becker 1985 vor seinem Viertelfinale gegen Henri Leconte gefühlt haben. Und die Hamburger Arena ist quasi das Wohnzimmer der Mannschaft, nachdem die Ukraine dort schon Saudi-Arabien mit 4:0 besiegte. Es war der bisher einzige gute Auftritt der Ukrainer, die ansonsten nur Schlafwagenfußball boten. Die letzten beiden Spiele gegen Tunesien und die Schweiz waren die bisher unansehnlichsten dieser Weltmeisterschaft.

Auch das Spiel gegen die Taktiker aus Italien verspricht nicht unbedingt Fanmeilen-Fußball. In neun der vergangenen zehn Partien kassierte die Ukraine kein Gegentor. Allerdings ist fraglich, ob sich die Ukraine gegen Italien auf die kontrollierte Defensive beschränken kann. Die Ukraine wird sich dieses Mal mehr trauen müssen. Die Defensive ist zu schwach, um sich über 120 Minuten zu retten. Zudem haben sie in der Offensive ihre besseren Einzelspieler, auch wenn mit Andrej Woronin ein Stürmer verletzt ausfällt.

Gerade für Topstürmer Andrej Schewtschenko ist es eine besondere Partie: Nach sieben Jahren beim AC Mailand wechselt er zum FC Chelsea und steht heute mit Gattuso, Gilardino und Pirlo alten Teamkollegen gegenüber.

Die Italiener sind mit großem Selbstbewusstsein nach Hamburg gereist, wo sie das letzte Gruppenspiel gegen Tschechien souverän mit 2:0 gewannen. Zudem: Seit 21 Spielen ist die „Squadra Azzurra“ nun ungeschlagen, das letzte Mal verlor sie im Oktober 2004 in Slowenien. Gegen die Ukraine werden sie geduldig versuchen, ein Tor herauszuspielen. So wie im Achtelfinale – bevor Marco Materazzi vom Platz gestellt wurde. Danach stellten die Azzurri ihre Offensivbemühungen ein. Sie brauchten einen umstrittenen Elfmeter zum Sieg.

Heute muss Trainer Marcello Lippi seine Abwehr erneut umbauen: Alessandro Nesta fällt weiterhin aus, dafür rückt Andrea Barzagli in die Abwehr. Er ist nach Materazzis Rot-Sperre der letzte verbliebene Innenverteidiger. Vermutlich wird Lippi wieder von Beginn an Francesco Totti bringen. Der Mittelfeldspieler vom AS Rom hatte nach seiner Einwechslung den entscheidenden Elfer gegen Australien verwandelt.

Bleibt zu hoffen, dass die deutschen Zuschauer den Reiz erkennen und nicht nach zehn Minuten ohne Holland nach Berlin fahren wollen. Vielleicht aber füllt die Ukraine die Außenseiterrolle ja auch ganz gut aus. So wie Boris Becker. Der hat sich in die Herzen der Zuschauer gespielt. Mit Mut.

Schiedsrichter:.

Frank De Bleeckere (Belgien)

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