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Zweisprachige Internet-Portale sollen Jugendliche an fremde Länder und Kulturen heranführen

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Von Emmanuelle Germain

und Annette Schmiede

Was uns der gallische Krieger Asterix, ist dem Franzosen der deutsche Kommissar „Derrick“ - man sieht oder liest sie gerne. Aber sich die beiden in Originalsprache zu Gemüte führen, das kann längst nicht jeder. Ein solches Interesse an der anderen Sprache und ihrer Kultur wollen zweisprachige Webseiten wecken. Solche Internet-Portale gibt es zwar schon lange, etwa die des Deutsch-Französischen Jugendwerks ( www.dfjw.org ) oder des Deutsch-Polnischen Jugendwerks ( www.dpjw.org ). Neu aber ist die Idee, sich ausschließlich – und das auch in der Aufmachung – an Jugendliche zu wenden, ob aus Deutschland, Frankreich oder England.

Seit Ende Juli gibt es das vom Goethe-Institut Paris und der Französischen Botschaft in Berlin betriebene französisch-deutsche Sprachenportal. Unter www.FplusD.de oder www.FplusD.fr erreicht man die blau-gelb gehaltene Seite. Hier kann sich der deutsche oder französische Besucher durch Sprachtipps und - spiele, durch Informationen über Frankreich und Deutschland klicken, jenseits von Klischees wie Baguette und Bier. Besonders junge Leute, die womöglich schon erste Kontakte mit der anderen Sprache gemacht haben, sollen damit angesprochen werden. Wichtig ist für sie natürlich, wie man ins Gastland kommt, um die Sprache vor Ort zu üben. Ab dem 15. September werden denn auch alle Links des zweisprachigen Portals in Betrieb sein und zu mehr als 200 weiterführenden Webseiten führen. „Unser Ziel ist es, einem jungen Deutschen oder Franzosen helfen zu können, in den jeweiligen Nachbarländern einen Austausch, ein Praktikum oder sogar eine Stelle zu finden“, sagt Hans Ludwig Bauer vom Goethe Institut in Paris. Zum 40. Jubiläum des Elysée-Vertrages, der die deutsch-französische Zusammenarbeit regelt, soll es 2003 ein weiteres deutsch-französisches Portal geben, das dem Surfer Politik und Wirtschaft der Nachbarländer näherbringen will.

Ein weiteres zweisprachiges Portal explizit für Jugendliche ist die vom Auswärtigen Amt, vom Goethe-Institut und dem British Council initiierte Seite the-voyage.com. Neben Informationen zu Sprachenerwerb, Studien- und Praktikumsaufenthalt im anderen Land kann sich beispielsweise der deutsche Leser über Politik, Kultur, Sport, Umwelt und das Bildungssystem in Großbritannien informieren: von „public schools“ über Maul- und Klauenseuche bis hin zu Cricket-Regeln. Blau-grün ist die Seite, zwei nette Strichmännchen bewegen sich mit durch die Rubriken. Diese sind oft mit Links zu aktuellen Artikeln aus Zeitschriften oder Tageszeitungen versehen; ein Veranstaltungskalender zeigt, was in Großbritannien, Nordirland oder Deutschland los ist. Man kann auf die Webcams deutscher Städte klicken, Sprachkurse gewinnen, Brieffreundschaften beginnen, tagesaktuelle Kurznachrichten lesen. Sehr viel Arbeit steckt in so einer Webseite. Folglich auch sehr viel Geld. 200 000 Euro, heißt es bei der Französischen Botschaft, wird das Projekt www.FplusD.de . kosten.

Deshalb wohl sind solche Seiten auch bislang sehr rar gesät. Stefan Becsky vom Internationalen Jugend- und Besucheraustauschdienst (IJAB), dessen Seite www.ijab.de vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterhalten wird und auf deutsch über internationale Austauschprogramme informiert, kennt sich da aus: „Es geht nicht nur um die Installationskosten, sondern eher um die immensen Folgekosten, die entstehen, wenn man die Homepage jede Woche mit neuen Nachrichten versieht.“ Außerdem brauche man für ein solches Vorhaben eine regelmäßig arbeitende Organisationsstruktur. Die sei beispielsweise in den USA, mit denen es eigentlich zahlreiche Austauschprogramme gibt, nicht vorhanden. Denn dort, so Becsky, existiert keine zentrale Stelle, die sich der Aufgabe verschrieben hätte, den Austausch zu fördern. Amerikanische Stiftungen und Großkonzerne engagieren sich zwar gerne, das allein macht aber noch keine kontinuierliche Finanzierungsgrundlage aus.

Ein anderes Beispiel: Israel. Es gibt zwar eine bilaterale Vereinbarung zum Austausch sowie eine Kommission, die sich mit der Finanzierung befasst. Die aber ist wegen der aktuellen politischen Lage seit längerem nicht mehr zusammengetreten. „Was setzen Sie in Krisenzeiten auf so eine Seite?“, gibt Becsky zu bedenken.

Trotzdem, ein weiteres Projekt kommt. Tandem, der Regensburger Veranstalter für deutsch-tschechische Jugendarbeit, will im Herbst eine bilaterale Seite für Jugendliche einrichten: ahoj.info. Schließlich, so sind sich sämtliche Initiatoren einig: „Eine Sprache lernen heißt, sich der Welt zu öffnen.“

Links zum Thema:

www.FplusD.de

www.the-voyage.com .

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