Zeitung Heute : Jahr für Jahr

Von 2005 an erhöht sich der steuerpflichtige Rentenanteil schrittweise auf hundert Prozent

Hans W. Fröhlich

Die Besteuerung von Renten wird ab 2005 umgekrempelt. Das betrifft grundsätzlich alle Rentner. Denn Renten selbst sind bisher überwiegend nur zu einem geringen Teil steuerpflichtig. Dieser so genannte Ertragsanteil richtet sich nach dem Renteneintrittsalter, zum Beispiel beträgt er 27 Prozent für alle, die mit 65 Jahren Rentner geworden sind. Das ändert sich auf Grund des neuen Alterseinkünftegesetzes im nächsten Jahr radikal: Generell wird die Hälfte der Rente steuerpflichtig. Bis zum Jahr 2040 steigt der steuerpflichtige Rentenanteil auf 100 Prozent. Betroffen davon sind nahezu alle Rentner, egal ob sie früher als Angestellte oder Selbstständige tätig waren, ob sie Witwen- oder Erwerbsminderungsrenten beziehen.

„Steuerpflicht bedeutet aber nicht automatisch auch Steuerzahlung“, weiß Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg. Dank verschiedener Freibeträge und Abzugsmöglichkeiten bleiben im Jahr 2005 Monatsrenten bis 1575 Euro steuerfrei. Doch das ändert sich schrittweise. Wer beispielsweise im Jahr 2010 in Rente geht, muss mit 60 Prozent steuerpflichtigem Rentenanteil leben. Der bei Rentenbeginn festgelegte steuerpflichtige Anteil gilt lebenslang, aber Vorsicht: Jede künftige Rentenerhöhung muss voll versteuert werden. Beispiel: 66 Jahre, 1000 Euro Rente: Im nächsten Jahr werden 500 Euro der Rente steuerpflichtig (50 Prozent). Wenn die Rente theoretisch bis zum Jahr 2015 auf 1200 Euro steigt, wird nicht die Hälfte von 1200 (also 600 Euro) steuerpflichtig sein, sondern 700 Euro. Grund: Nur der anfangs steuerfreie Betrag aus dem Jahr 2005 (500 Euro) bleibt lebenslang steuerfrei. Damit droht noch keine Gefahr vom Finanzamt. Das kann sich aber ändern, wenn zusätzliche Einkünfte, zum Beispiel eine Betriebsrente, Mieteinkünfte oder Zinsen, hinzukommen.

Menschen mit Erwerbsminderungsrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung sind vom Systemwechsel besonders betroffen. Die oft sehr kurzen Laufzeiten solcher Renten bewirken bisher nur geringe steuerpflichtige Anteile. Bei einer (üblichen) Laufzeit von drei Jahren, sind derzeit nur vier Prozent steuerpflichtig, im Jahr 2005 werden es 50 Prozent sein. Die 50-Prozent-Marke gilt dann übrigens auch für alle Witwen- und Witwerrenten.

Der Altersentlastungsbetrag wird bis 2040 auf Null abgeschmolzen. Den dürfen Rentner nutzen, die bereits ihren 65. Geburtstag gefeiert haben, wenn sie neben ihrer Rente noch andere so genannte „aktive Einkünfte“ haben, zum Beispiel als Arbeitnehmer, aus selbstständiger Tätigkeit, aus Vermietung oder Kapitalvermögen. Sie dürfen bisher 40 Prozent dieser Einnahmen, maximal 1908 Euro, steuerfrei kassieren.

Die Höhe des Altersentlastungsbetrags sinkt mit jedem Jahr. Ein Rentner, der im nächsten Jahr 65 wird, darf 2005 und in jedem Folgejahr, das er erlebt, maximal 1900 Euro der begünstigten Einkünfte steuerfrei kassieren. Wer fünf Jahre später 65 wird, muss sich lebenslang mit maximal 1520 Euro Altersentlastungsbetrag im Jahr begnügen.

Ein neuer Vorteil: Wer aus versteuertem Einkommen in eine private Rentenversicherung zahlt oder gezahlt hat, muss künftig deutlich weniger Steuern auf die Erträge berappen. Bezieht er diese Privatrente beispielsweise erstmals mit 60 Jahren, sind derzeit 32 Prozent steuerpflichtig, ab 2005 werden es nur 22 Prozent sein. Diese Neuregelung gilt auch für Bezüge aus früher abgeschlossenen Rentenversicherungen.

Voraussetzung ist aber, dass die Einzahlungen in die Versicherung ohne staatliche Förderung geblieben sind. Diese günstigere Besteuerung können ausnahmsweise auch Selbstständige nutzen, die mindestens zehn Jahre lang für ihre Rente einen Beitrag oberhalb des Höchstbetrages der gesetzlichen Rentenversicherung eingezahlt haben. Ansonsten wird für Selbstständige (wie für Ex-Arbeitnehmer auch) vom nächsten Jahr an die Hälfte der Rente steuerpflichtig.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!