Zeitung Heute : JAPAN-AVANTGARDE

Love Exposure

Julian Hanich

237 Minuten lang und wild zwischen Kitsch und Avantgarde, Hochkultur und Trash, Comicstrip und tiefem Pathos hin und her springend, liefert „Love Exposure“ eines der ungewöhnlichsten Kinoerlebnisse des Jahres. Der japanische Regisseur Sion Sono erzählt von einer wilden Teenagerliebe, von dysfunktionalen Familien und Jugendgangs, von Katholizismus und Sekten, von Voyeurismus und Sadismus. Auch die obligatorischen Martial-Arts-Momente fehlen nicht. Ein Balanceakt zwischen grandios und heillos übertrieben: Entweder fährt dem Zuschauer die gewagte Mischung markerschütternd in die Glieder oder sie dreht einem den Magen um. Wahrscheinlich aber beides. Der unbedingte Wille des Regisseurs, eine exzessive Extravaganz zu schaffen, wirkt manchmal bemüht – und dann doch wieder äußerst behände. Unglaublich. Julian Hanich

„Love Exposure“, J 2008, 236 Min., R: Sion Sono, D: Takahiro Nishijima, Mitsushima Hikari

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