Zeitung Heute : Japan leitet radioaktives Wasser ins Meer

Abdichtung von Unglücksreaktor bisher erfolglos / Ethikkommission berät über schnelleren Atomausstieg

Trügerische Idylle. Ein Geigerzähler
Trügerische Idylle. Ein GeigerzählerFoto: dpa

Tokio/Berlin - Der Betreiber des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima hat am Montag damit begonnen, 11 500 Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers in den Pazifik zu leiten. Wie japanische Medien weiter berichteten, handelte es sich um schwach radioaktives Wasser, das sich in den schwer beschädigten Anlagen des von Tepco betriebenen Atomkraftwerks angesammelt habe. Damit solle Platz für stärker radioaktives Wasser geschaffen werden. Ein Tepco- Sprecher hatte zuvor ausgeführt, es gehe um 10 000 Tonnen Wasser, das in Behältern gesammelt sei, und um 1500 Tonnen in den Reaktoren 5 und 6.

Durch einen rund 20 Zentimeter langen Riss im Bereich des Reaktorgebäudes 2 war am Wochenende bereits radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik geflossen. Nach Angaben von Tepco hatten Arbeiter am Samstag zunächst versucht, den Riss mit Beton zu verschließen. Da dieser Versuch scheiterte, setzten sie am Sonntag eine Mischung aus Kunstharz, Zeitungspapier und Sägespänen ein. Auch hier blieb ein Erfolg vorerst aus. Durch den Riss war radioaktiv verseuchtes Wasser von den Kühlarbeiten am Reaktordruckbehälter, das sich im Untergeschoss des an den Reaktor angrenzenden Turbinengebäudes gesammelt hatte, in eine Betongrube gelangt. Von dort aus war es in den Ozean geflossen.

Kritik an Tepco äußerte am Montag der Generaldirektor der UN-Atomenergiebehörde IAEO, Yukiya Amano. „Rückblickend betrachtet waren die Maßnahmen des Betreibers nicht ausreichend, um diesen Unfall zu verhindern“, sagte Amano in Wien. In seiner ersten Reaktion am 14. März, drei Tage nach dem Erdbeben, hatte er noch kaum kontrollierbare Naturkräfte für den Unfall verantwortlich gemacht. Amano sagte weiter, nach dem Unglück in Fukushima dürfe es kein „business as usual“ geben. Die Krise habe „enorme Auswirkungen auf die Atomenergie“ und sei eine große Herausforderung für alle. „Die Sorgen von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt darüber, ob Atomkraft sicher ist, müssen ernst genommen werden.“ Die Motive für die Nutzung von Atomenergie hätten sich aber nicht verändert, sagte Amano. Dazu gehörten der globale Energiebedarf und die Sorgen über den Klimawandel.

Im Kanzleramt tagte am Montag erstmals die Ethikkommission zur Zukunft der Atomkraft in Deutschland. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warb erneut für eine „Energiewende mit Augenmaß“. Das Gremium solle bis Ende Mai klären, wie eine solche Wende mit einer „möglichst kurzen Laufzeit“ der Atomkraftwerke zu schaffen sei. Das Gremium soll auch die Folgen für den Klimaschutz und Stromimporte beleuchten. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte im Anschluss an die Sitzung, Anfang Juni wolle die Regierung „eine Gesamtentscheidung zum weiteren Betrieb der Kernkraftwerke in Deutschland und zur Beschleunigung der Energiewende treffen“. Merkel hatte die Kommission unter Leitung des früheren Umweltministers Klaus Töpfer (CDU) nach der Katastrophe in Japan ins Leben gerufen. mit dpa/AFP/rtr

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