Zeitung Heute : Japanisch-Coach für dringende Fälle

Was große Konzerne oder kleine Unternehmen für das Sprachen-Know-how ihrer Mitarbeiter tun

Paul Janositz

„Gute Fremdsprachenkenntnisse“ sind heute ein Muss für jede Bewerbung. Und oft ist diese Angabe zum Zeitpunkt der Einstellung auch richtig. Doch nach jahrelanger Berufspraxis hat sich die Sprachkompetenz abgeschliffen, wenn es an der Übung fehlt. Stehen nun Auslandsaufenthalte an oder müssen fremdsprachliche Kontakte geknüpft werden, dann wird das Thema Sprachunterricht schnell aktuell.

Dem trägt beispielsweise das Berliner Pharmaunternehmen Schering Rechnung und bietet Sprachkurse für Mitarbeiter an. „Wir haben 35 interne Trainer“, sagt Gabriele Liebmann-El Badry, Referentin in der Unternehmenskommunikation. Zwei Drittel der Lehrer unterrichten Englisch, auf den nächsten Plätzen der Schering- Sprach-Hitliste folgen Portugiesisch beziehungsweise Brasilianisch mit sechs sowie Spanisch mit zwei Kursen. Französisch und Italienisch stehen nur ein Mal auf dem Programm, ebenso oft wie Chinesisch. Häufiger nachgefragt werde „Deutsch als Fremdsprache“, so Liebmann-El Badry, da das globale Geschäft verstärkt ausländische Mitarbeiter in die Firmenzentrale in Wedding führe.

Der Unterricht soll möglichst im Betrieb und während der Arbeitszeit stattfinden, meist eineinhalb Stunden pro Woche. Wenn es intensiv sein soll, wird auch mal ein zweiwöchiger Workshop angesetzt. Gruppenunterricht ist die Regel, aber auch Einzeltraining kommt vor. „Das kann ein Japanisch-Coach sein“, erklärt die Schering-Sprecherin, der auf die Schnelle in die Grundkenntnisse der asiatischen Sprache einführen müsse. Dabei könne es auch um spezielle Aspekte gehen, etwa um Präsentationen auf Messen oder Vorträge in der fremden Sprache. Die Initiative zum Sprachenlernen geht oft von den einzelnen Mitarbeitern selbst aus. Auf Anforderung des Vorgesetzten organisiert dann die Weiterbildungsabteilung die nötigen Maßnahmen. Trotz sonstiger Sparmaßnahmen bei Schering werde die Weiterbildung nicht beschnitten, betont Liebmann-El Badry. Nach erfolgreicher Teilnahme, die vom Trainer bescheinigt wird, gibt es ein Zertifikat. Im vergangenen Jahr konnten 2400 Teilnehmer an internen Kursen im Berliner Werk die Bescheinigung in Empfang nehmen. 60 Mitarbeiter erhielten ein spezielles Auslandstraining, wobei neun von zehn nach Großbritannien gingen.

Auch beim deutsch-amerikanischen Autohersteller Daimler-Chrysler lernen die Mitarbeiter an hiesigen Standorten bevorzugt Englisch. Daneben wird Spanisch sowie Deutsch als Fremdsprache in Intensivkursen angeboten. Zunächst geht es um Basiskenntnisse, auf die zusätzliche Bausteine gesetzt werden, etwa Spezialgebiete der Geschäftskommunikation oder projektspezifisches Training.

„Mitarbeiter, die nicht an solchen Gruppenkursen teilnehmen können, werden bei Bedarf individuell trainiert“, sagt Verena Müller von der Stuttgarter Konzernzentrale. Das Individualtraining gibt es „on the job“. Die Trainer kommen an den Arbeitsplatz und arbeiten dort Unterlagen oder typische Gesprächssituationen durch. Das gelte auch, wenn weitere Sprachen gelernt werden müssten. „Unterricht gibt es in Französisch und Griechisch, aber auch in Thailändisch, Japanisch, Koreanisch, Türkisch, Arabisch oder Chinesisch“, sagt die Sprecherin.

Ebenfalls ein breites Spektrum an Sprachen müssen die Mitarbeiter des Berliner Reiseveranstalter „Lernidee“ beherrschen. Schließlich bietet der Branchenführer in Sachen Zug-Erlebnisreisen Fahrten nach Russland, Mongolei, China, Südamerika oder Afrika an. Um Ausflüge vor Ort organisieren und mit Reiseleitern oder dem Zugpersonal verhandeln zu können, sollten die Mitarbeiter die entsprechende Heimatsprache zumindest ansatzweise beherrschen. „Wir besorgen die Lehrer, die in unseren Räumen Sprachunterricht geben“, sagt Marketing-Leiter Tobias Büttner. Derzeit stehe hauptsächlich Russisch auf dem Stundenplan.

Im Übrigen werden auch Mitarbeiter benötigt, die sich auf Portugiesisch, Spanisch, Polnisch oder Türkisch ausdrücken können. „Die Sprachkompetenz ist ein wichtiger Aspekt bei der Einstellung“, erklärt Büttner. Bei „exotischen“ Sprachen seien es oft die „Muttersprachler“, die die Anforderungen erfüllten. Probleme habe es zuletzt mit Kirgisisch gegeben. „Die Stelle war ein halbes Jahr beim Arbeitsamt ausgeschrieben.“

Ob die Empfehlung, Kirgisisch zu lernen, für eine Weiterbildungsmaßnahme wirklich sinnvoll wäre, ist allerdings fraglich. Angesichts des Wirtschafts-Booms im Reich der Mitte dürfte man mit Chinesisch sicherlich erfolgreicher sein.

Diese Sprache müssen die 35 Mitarbeiter von Codon, dem Biopharmazeutischen Unternehmen im brandenburgischen Treptow, zurzeit noch nicht beherrschen.Aber man kann ja nie wissen. Derzeit wird im Betrieb in Gruppen von maximal fünf Teilnehmern erst einmal Englisch gelernt, berichtet Marketingmanager Matthias Meißner.

Die Industrie- und Handelskammer Berlin führt selbst keine Sprachkurse durch, sagt Claus Labonté, Leiter des Bereichs Weiterbildung. Frühere Angebote wie „Englisch leicht gemacht“, etwa für Taxifahrer oder Mitarbeiter an Flughäfen, hätten nur wenig Resonanz gefunden. Unternehmen, die Sprachunterricht für ihre Mitarbeiter durchführen wollen, finden nach Labontés Meinung eine Menge von Anbietern (siehe Kasten).

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