JAZZ-OPER „Porgy and Bess“ aus Kapstadt : It ain’t necessarily so

Frederik Hanssen

Es ist ein Wagnis, sicherlich: Vier volle Wochen lang, vom 4. Juli bis 1. August wird in der Deutschen Oper George Gershwins „Porgy and Bess“ zu sehen sein, en suite, täglich außer montags. Jahrelang haben die lokalen Kulturpolitiker rumgemosert, dass es in der Hauptstadt überhaupt eine musiktheaterfreie Zeit gibt, obwohl wir doch drei Opern haben, die sich absprechen könnten! Voilà, jetzt bekommen sie ihre Sommerbespielung. Mal sehen, ob die Berliner und ihre Gäste hingehen.

Tun sollten sie es: „Porgy and Bess“ wird von der Cape Town Opera aufgeführt. Neben dem Musiktheater in Kairo ist es das einzige ganzjährig bespielte Opernhaus auf dem afrikanischen Kontinent. Beim Publikum in Kapstadt ist die Oper beliebt, beim weißen wie auch beim schwarzen. Die staatlichen Subventionen aber fallen mager aus, Sponsoring gibt es kaum. Darum ist die Compagnie darauf angewiesen, auf Gastspielreisen ein Drittel ihres Budgets selber einzuspielen. Axel Baisch, der geschäftsführende Direktor der Deutschen Oper, kennt die Truppe seit langem. Als er noch am Nürnberger Staatstheater arbeitete, hat er die Südafrikaner bereits eingeladen. Jetzt holt er sie auch in die Hauptstadt.

„Porgy and Bess“, die Jazz- Oper, die nach dem Willen des Komponisten ausschließlich von Schwarzen aufgeführt werden soll, drängte sich für das Berlin- Debüt geradezu auf. Die Inszenierung reflektiert die harten Zeiten der Apartheidspolitik im Südafrika der frühen siebziger Jahre. Black Power in der Bismarckstraße. Frederik Hanssen

Deutsche Oper, Fr 4.7., 20 Uhr (Prem.), bis Fr 1.8., ab 35 €

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