JAZZ Robert Glasper Experiment : Auferstanden aus Ruinen

„Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch.“ Der das sagte, Frank Zappa, ist auch schon tot, aber Jazz riecht immer noch komisch. Findet zumindest Robert Glasper, ein 33-jähriger Jazzmusiker aus Houston, Texas, der sich vorgenommen hat, die Grenzen des Genres aufzubrechen. Denn der Konservativismus habe dazu beigetragen, dass Jazz seinen Bezug zur Gegenwart weitgehend verloren hat. Die erfolgreichsten Jazz- Alben der letzten Jahre waren nur in Ausnahmefällen zeitgenössische Werke, sondern meist die immer wieder neu aufgelegten Klassiker von Miles Davis, John Coltrane und anderen Größen einer längst vergangenen Epoche.

Natürlich darf man die Frage stellen, ob „Black Radio“, Glaspers fünftes Album, überhaupt Jazz ist. Denn es klingt erstmal wie ein Hybrid aus HipHop, Soul und Jazz, wobei vor allem die großen HipHop-Meisterwerke der frühen Neunziger verwandt sind. Glasper ist kein Bilderstürmer, er sägt eher auf hinterhältige Weise an Grundfesten. Große Stimmen der Black Music hat er gewonnen, aber sie alle, Erykah Badu, Lalah Hathaway, Bilal, Lupe Fiasco oder Yasiin Bey (alias Mos Def) ordnen sich einem verwunschen schwebenden Ensembleklang unter, in dem Glaspers ebenso an die perlenden Läufe von Oscar Peterson wie an Thelonious Monks geniale Synkopen erinnerndes Pianospiel lediglich Orientierungsmarken setzt. Glasper verdeutlicht mit sanftem Nachdruck – und herausragenden Mitspielern wie dem Saxofonisten Casey Benjamin und dem Schlagzeuger Chris Dave –, dass Jazz kein Sound ist, sondern ein Prinzip. Die unzerstörbare DNA der Black Music, das wahre Black Radio.Jörg Wunder

Festsaal Kreuzberg, Sa 19.5.,

20 Uhr, 31 €

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